Nächtliche Gesänge in Siena, unerträglicher Lärm in der Hafenstadt Genua, polizeiwidriges Schreien in Mailand, nicht endendes Glockengebimmel in Florenz - wie soll der empfindsame Reisende da seinen Italienaufenthalt genießen? Die Wege nach und in Italien waren im 18. und 19. Jahrhundert von unzähligen englischen, französischen und deutschen Reisenden dermaßen ausgetreten, dass es schwerfiel, das authentische Italien vor Ort überhaupt noch aufzufinden. Eine Fülle von Reiseberichten sorgte dafür, dass der Grand Tourist nicht nur mit beträchtlichem Vorwissen in den Süden kam, sondern auch mit einer gehörigen Portion Vorurteil. Wie sollte man mit den fremden Essgewohnheiten umgehen, wie schützte man sich in den Herbergen vor Ungeziefer und überhaupt vor der mangelnden Hygiene? Die Touristen suchten die antike Größe Italiens, während sie zur Gegenwart vornehm auf Distanz gingen (den meisten wäre ein Italien ohne Italiener lieber gewesen). Und dann erst Griechenland: Die Bewohner, so der entsetzte Fürst von Pückler-Muskau, könnten weder lesen noch schreiben und hätten von Platon und Aristoteles nie etwas gehört.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2012
Eigentlich findet Werner Busch den Band durchaus erfreulich. Immerhin entdeckt er wunderbare Schilderungen, etwa Charlotte Kurbjuhns in Form der Gothic Novel erzählte Sizilienerfahrung. Und dass einmal lauter jüngere Wissenschaftler zu Wort kommen, die überdies die pointierte Form des Essays gut beherrschen, wie er feststellt, kann er auch nicht wirklich schlecht finden. Wenn die forcierte Lockerheit allerdings zu Lasten wissenschaftlicher Verpflichtungen geht, wie den Einbezug auch älterer Quellen zum Beispiel, Busch nennt exemplarisch Ludwig Schudts "Italienreisen im 17. und 18. Jahrhundert", dann wird der Rezensent alarmiert. Bei Schudt, erläutert er, hätten die Beiträger nämlich Näheres erfahren können über die Antriebe zur Italienreise und ihre Bedingungen, davon findet er im Band nichts.
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