Thomas Steinfeld

Italien

Porträt eines fremden Landes
Cover: Italien
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783737100588
Gebunden, 448 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

So vertraut Italien deutschen Reisenden schon immer war und so innig die Liebe der Deutschen zur "italianità", so fremd erscheint das Land heute. Tatsächlich scheint es immer fremder zu werden - denkt man an seine populistische Regierung, an einstürzende Brücken oder an das Fortbestehen der Mafia. Woher kommt das alles? Thomas Steinfeld hat in Italien gelebt und das Land bereist, von Südtirol bis Apulien, von den Gebirgspässen des Nordens bis zu den Olivenplantagen des Südens. Hier zeigt er das ganze Italien: das rege Treiben in den Zentren von Rom, Venedig oder Florenz ebenso wie die Arbeitersiedlungen der Industriegebiete und das Elend der Vorstädte. Er schildert den ländlichen Heiligenkult, die Begeisterung für schöne Autos, die Erfindung des Slow Food, erklärt das Land aber auch aus seiner Geschichte heraus: von der Renaissance bis zum Duce-Faschismus, der noch heute an manchen Orten nachwirkt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.06.2020

Maike Albath schwärmt. Die kultur- und wirtschaftsgeschichtlich unterfütterten Reportagen, die "leichtfüßig komponierten Kapitel", die Landschaftsbeschreibungen - überhaupt die Liebe zu Italien in diesem Buch haben sie zu langen Zitaten daraus hingerissen. Schon aus dieser Besprechung erfährt das geneigte Lesepublikum daher vieles, das zuvor gewiss nicht in sein Italienbild gepasst hat, etwa über die größte Stahlfabrik Europas am Golf von Tarent oder die von indisch-stämmigen Sikhs dominierte Milchindustrie der Emilia Romagna. Die Kritikerin arbeitet in ihrer Besprechung selbst mit jenem dichten Referenzsystem, das alle ItalienliebhaberInnen an die Lektüre eines neuen Italienbuches herantragen. Das ist manchmal auch etwas ermüdend, diese überall fein verteilten Hinweise auf die eigene Kennerschaft, das implizite Wir der kulturell informierten Reisenden (unter denen das Italienbuch von Kammerer und Krippendorff als Leitbild dient). Die einzige Kritik trifft Steinfeld da, wo sie ihn nicht treffen kann - die erst nach Abschluss des Buches ausgebrochene Corona-Krise in der Lombardei, zu deren Ausmaß vermutlich auch die dortige enge Sozialstruktur beigetragen habe. Ach ja, und dass "die Italiener an sich und ihre Beziehungen untereinander" eigentlich nicht richtig vorkommen, bedauert die Kritikerin auch.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.05.2020

Bis zur nächsten Italienreise empfiehlt Marc Reichwein Thomas Steinfelds "Landeskunde" - ein bisschen Reiseführer, ein bisschen politischer Essay und ein bisschen Geschichtsbuch, wie er findet. Gut gefällt ihm Steinfelds Perspektive auf ein uns "fremdes" Land, wo Chinesen und Inder Tomaten ernten und Mozzarella machen. Dass der Autor die Regionen bereist, um aus Predappio vom italienischen Faschismus und aus Brescello vom Kommunismus zu berichten, findet Reichwein lehrreich. Steinfelds Kunstsinn und Alltagsexpertise erfüllen ihn mit Respekt und bieten Lesefreude.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2020

Rezensent Andreas Rossmann stellt fest: So umfassend und umfassend gebildet wie Thomas Steinfeld hat lange keiner mehr Italien bereist und davon berichtet. In die Tradition der "viaggi in Italia" reiht sich der Autor damit nicht nur spielend ein, findet Rossmann, er bietet auch ein Bild voller Ungleichzeitigkeiten und Widersprüche, das über alle uns vertrauten Darstellungen über dieses Land hinausgeht. Der Ex-Italien-Korrespondent der SZ, ein Italien-Kenner, der den Leser vom Po bis zum Etna mit Land, Leuten, Kunst, Kultur, Geschichte und Politik bekannt macht, ist "bestens vorbereitet und mit offenen Sinnen", gebildet und alltagsinteressiert, belesen und beobachtend, so Rossmann.
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