Florenz/Rom 1889/90: Lydia Welti-Escher beschließt, ihren Mann Friedrich Emil Welti zu verlassen und Karl Stauffer-Bern zu heiraten. Damit beginnt die tragische Liebesgeschichte, die zum Kriminalfall wird und im größten Politskandal der Schweiz des 19. Jahrhunderts endet. Lydia Welti-Escher ist die millionenschwere Tochter von Alfred Escher, Friedrich Emil Welti der Sohn von Bundesrat Emil Welti, Karl Stauffer-Bern ein hochgelobter junger Kunstmaler. Die Liebesentscheidung hat Folgen. Der Schweizer Gesandte in Rom, Simon Bavier, leistet für die Weltis Häscherdienste: Die italienische Polizei verhaftet Stauffer, er wird der Vergewaltigung an der angeblich geisteskranken Lydia Welti-Escher angeklagt. Diese wird ins Irrenhaus von Rom eingeliefert. Ein psychiatrisches Gutachten über sie wird erstellt. Erstmals wird die Geschichte vollständig und in deutscher Sprache abgedruckt und kritisch kommentiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2009
Lydia Welti-Escher, Mitglied des Zürcher Großbürgertums im 19. Jahrhundert, verlässt ihren, vom Vater unterdrückten, schwächlichen Ehemann für den Kunstmaler Karl Stauffer-Bern. Nach ihrer Flucht nach Rom wird das Liebespaar verhaftet, und sie in die Psychiatrie, er ins Gefängnis gesteckt. Es folgen Krankheit und Selbstmord. Die Darstellung dieser Geschehnisse von Joseph Jung gibt laut Urs Hafner einen "tiefen Einblick" in die persönliche Geschichte der Beteiligten, aber auch allgemein in das damalige Verhältnis von Macht und Gesellschaft. Eine neu hinzugezogene Quelle, ein Briefwechsel, ermögliche dem Autor eine Aufwertung seiner bisherigen Einschätzungen, der nun gnädiger urteile als letztes Jahr, so der Rezensent. Neben aller Sorgfalt in der Rekonstruktion der Biografie, nehme Jung großen Anteil am Geschehen, behielte sich aber eine eigene Interpretation vor. Der Rezensent wartet also weiter auf eine "umfassende kulturhistorische Deutung des Dramas".
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