Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas. Der jüdische Dichter Frans gibt sich 1943 auf der Flucht das Versprechen, jede Erinnerung an seine in den Niederlanden zurückgelassene Frau, seine zwei Kinder und seine Mutter in einen geheimen Winkel des Herzens zu schieben - und den Rest weit zu öffnen. Dann begegnet er im Londoner Hyde Park zufällig der ebenfalls exilierten Henriëtte, und sofort beginnt ihre exzentrische, freie, ehrliche, intensive Liebe, die ihr eigenes Ende kennt und deshalb die Kompromisse umso kompromissloser lebt. Mendels zeigt uns den Sprung in einem altmodischen Emaille-Waschbecken und erzählt doch in Wahrheit vom Seelenzustand derer, die davor stehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2019
Rezensentin Katharina Teutsch prophezeit Josepha Mendels Roman über Liebe in Zeiten des Krieges und des Exils eine lange Halbwertszeit. Relevant findet sie den nun auf Deutsch vorliegenden Text von 1948 wegen der Leichtigkeit, mit der er große Themen wie das Leben im Ausnahmezustand und das Schicksal der jüdischen Bevölkerung anpackt. Das Nebeneinander von Ekstase und Schicksal scheint ihr Mendel überzeugend darzustellen, indem sie die Lebenswege des jüdische Dichters Frans Winter und seiner Geliebten Henrietje Bas abbildet. Dass die Autorin bekannte Motive von der Flucht über die Pyrenäen bis zu den Gräueln in den Vernichtungslagern für die Leser auf eindringliche Weise erfahrbar macht, findet Teutsch bemerkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Rezensent Ulrich Rüdenauer ist sehr froh, dass Josepha Mendels Roman von 1948 nun auf Deutsch erschienen ist: In anrührendem Ton erzählt Mendels hier laut Rezensent von dem jüdischen Dichter Frans Winter, der vor Hitlers Kriegszug von Holland nach London flieht. Besonders gut hat dem Rezensenten gefallen, dass die Liebesbeziehung, die Winter im Exil eingeht, in hartem Gegensatz zu dem Überlebenskampf der Zurückgebliebenen steht, das Winter verdrängt. In Rüdenauers Augen wird so das Loch, in das der Dichter nach dem Krieg fällt, noch größer, denn er gehört dann nirgends mehr hin und ist nach wie vor als Jude stigmatisiert, schreibt der beeindruckte Rezensent. Er glaubt in den Erfahrungen der Figuren die der Autorin wiederzuerkennen.
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