Band 9 dieser Ausgabe versammelt die Essays und publizistischen Arbeiten,die Heinrich Mann nach der Flucht aus Europa zwischen der am 13. Oktober 1940 erfolgten Ankunft in den USA, dem zweiten Exillanddes Autors, und seinem Tod am 11. März 1950 geschrieben hat. Damit ist ein wichtiger Teil seines Werks erstmals vollständig zugänglich gemacht,der bislang in der Forschung - auch aufgrund einer ungenügenden Editionslage- nur am Rande behandelt wurde. Der vorliegende Band belegt die trotz aller Einschränkungen weiterhin vorhandene politische und literarische Aktivität Heinrich Manns in seinem letzten Lebensjahrzehnt. Historisch reicht der dokumentierte Zeitraum von der zweiten Wiederwahl des US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt im November 1940 und dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 bis zu der die Blockbildung im Kalten Krieg verfestigenden Gründung der NATO im April 1949 und den Staatsgründungen von BRD und DDR, mit denen die deutsche Übergangsphase nach demZweiten Weltkrieg abgeschlossen war. Für die Untergliederung der zu Lebzeiten veröffentlichten Texte im vorliegenden Band war die geschichtliche Zäsur der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg und des Endes der Nazi-Herrschaft maßgeblich, da mit dieser sowohl die objektive Ursache des Exils beseitigt wie auch neue Publikationsmöglichkeiteneröffnet waren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2025
Der Rezensent und Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel bespricht in seiner Doppelkritik zwei Neuerscheinungen zu den Schriftsteller-Brüdern Mann. Dabei bestätigt ihm die hellsichtige Biografie von Hans Wißkirchen ("Zeit der Magier") seinen eigenen Leseeindruck angesichts von Heinrich Manns "Essays und Publizistik": nämlich, dass sein literarisches Schaffen qualitativ letztlich nicht mit dem von Thomas Mann mithalten konnte und besonders in den letzten Lebensjahren, die er im amerikanischen Exil verbrachte, stark nachließ. Zwar findet der Kritiker in dem neuen Band mitunter "kenntnisreiche" Porträts von Schriftstellerkollegen wie Max Herrmann-Neiße oder Egon Erwin Kisch und liest auch den Haupt-Essay, "Der König von Preußen", zumindest mit Interesse. Aber literarisch und "zeitanalytisch" haben die Texte wenig zu bieten und zeugen eher von "politischem und publizistischem Illusionismus", konstatiert Kiesel. Großen Gewinn kann er trotzdem aus der umfangreichen und "überaus umsichtigen" Editionsarbeit der Herausgeber ziehen, die auf 1200 Kommentarseiten viel politisches Sachverständnis zeigen.
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