Aus dem Neuhebräischen von Katharina Hacker und Markus Lemke. Avni schreibt von der Engstirnigkeit der Landbewohner, von den krassen Gegensätzen der Generationen, von der emotional hochexplosiven israelischen Familie und den beinahe schüchternen Versuchen, ein selbstbestimmtes Leben in der modernen Welt zu erfinden, während die kulturellen Spuren der Vergangenheit noch überall sichtbar sind. Die Helden seiner Geschichten sind Teile dieser dynamischen Lebenssituation, und doch nicht ganz: Das erotische Interesse an anderen Männern schafft Distanz zum ganz normalen Leben. Auch wenn das Judentum im Unterschied zum Islam Homosexualität strikt verbietet, sind gelegentliche ?Ausrutscher" bei der Partnerwahl in südlichen Ländern nichts Ungewöhnliches, vorausgesetzt, Gefühle bleiben aus dem Spiel. Wo allenfalls flüchtige Sexualkontakte hergestellt werden können, hat die Sehnsucht nach emotionaler Nähe kaum Aussicht auf Erfüllung und prägt somit die ganze Existenz.
Zwar räumt Reinhard Krause ein, dass es sich bei dem Protagonisten dieses Romans um den "vertrauten Typ des leidenden, bindungsgestörten Homosexuellen" handelt, was zunächst einmal nicht gerade originell klingt. Dennoch: Krause gefällt das Buch. Die Stärke liegt seiner Ansicht nach in der Art, wie Avni die "Fäden" in der Geschichte spinnt und miteinander verknüpft. Dies mache den Roman zu einem Stück "spannender moderner Literatur". Krause betont, dass sich der Autor recht wenig mit einer Analyse der Gesellschaft aufhält (was etwas erstaunt, denn andererseits fühlt sich der Rezensent auch an die Arbeiten Rosa von Praunheims erinnert). Gewalt gegen Schwule spielt, wie Krause feststellt, in diesem Roman quasi keine Rolle, nicht einmal beim Militär. Probleme gebe es eher im familiären Kontext, beispielsweise durch die Androhung psychiatrischer Behandlung, die ein Coming-out erschwerten. Aber auch dieses Problem wendet sich schließlich zum Guten, wie der Rezensent verrät.
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