Judith Butler

Hass spricht

Zur Politik des Performativen
Cover: Hass spricht
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518124147
Kartoniert, 263 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrina Menke und Markus Krist. Im Amerikanischen bezeichnet der Terminus "hate speech" jede verletzende Rede wie Beleidigung, Drohung, Schimpfnamen. Unter Rückgriff auf die Sprechakttheorie von J. L. Austin diskutiert Judith Butler die gegenwärtige Debatte der "hate speech", um zu einer allgemeinen Theorie der Performativität des politischen Diskurses zu gelangen. Sie zeigt, dass das Sprechen zwar durch den gesellschaftlichen Kontext definiert wird, aber dennoch durch die Fähigkeit ausgezeichnet ist, mit diesem Kontext brechen zu können. Diese ambivalente Struktur im Herzen der Performativität beinhaltet, dass Widerstandsbewegungen innerhalb des politischen Diskurses teilweise von den Mächten erzeugt werden, denen sie entgegentreten. Die Strategie, der man nach Butler folgen sollte, besteht darin, sich die Kraft des verletzenden Sprechens fehlanzueignen, um den verletzenden Verfahren entgegenzutreten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2006

Die Texte der amerikanischen Philosophin Judith Butler hinterlassen bei Ivo Ritzer stets einen ambivalenten Eindruck. So auch ihr jetzt in einer Neuauflage vorliegendes Werk "Hass spricht", das die Diskussion um die "hate speech" zu einer allgemeinen Theorie der politische Rede führen will. Zwischen "Brillanz und Beliebigkeit" siedelt Ritzer die feministische Autorin an, die seiner Ansicht nach in den letzten Jahren zum "akademischen Popstar" avancierte. Butlers Ansatz, die Annahme fester Geschlechteridentitäten und erkenntnistheoretische Methoden zu problematisieren und mit politischen Forderungen zu verbinden, fasziniert Ritzer noch immer. Andererseits will und kann er Butlers "begriffliche Unschärfen" nicht übersehen. Der zentrale Begriff der Performanz zum Beispiel bleibt für Ritzer schlicht zu vage und unbestimmt. Am stärksten findet er die Autorin, wenn sie konkret wird, und etwa in dem ersten Zusatz der US-amerikanischen Verfassung (Redefreiheit) einen Bestandteil bürgerlicher Staatsräson erkennt, der in Wirklichkeit nicht unparteiisch sei, sondern Homosexuelle, Schwarze und Frauen ausgrenze.

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