Seit drei Jahrzehnten untersuchen Queer Studies die Macht geschlechtlicher und sexueller Normen - und wie diese infrage gestellt werden. Sie erforschen die komplexen Zusammenhänge von Sexualität, Geschlecht, Rassismus, Klasse und Nation. Dieser Band versammelt klassische und neuere Schlüsseltexte der anglophonen Queer Studies in deutscher Sprache, von Judith Butler und Eve Kosofsky Sedgwick bis Cathy Cohen und José Esteban Muñoz. Er führt in die wichtigsten theoretischen Positionen ein, macht mit den zentralen Entwicklungslinien des Diskurses vertraut und präsentiert wegweisende queere Analysen zu Kapitalismus, Migration, Geopolitik, Behinderung, Aktivismus, Kultur und Subkultur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2023
Überfällig scheint dem Rezensenten Andreas Bernard dieser von Mike Laufenberg und Bent Trott herausgebene Band, der die wichtigsten Schlüsseltexte der Queer Studies aus den Jahren 1990 bis 2015 versammelt. Ein bisschen Mühe werden Leser angesichts der dekonstruktivistischen und diskursanalytischen Lektüren auf sich nehmen müssen, warnt der Kritiker vor - aber es lohnt sich, versichert er: Schon die belesene, neunzigseitige Einleitung der Herausgeber führt den Rezensenten profund ins Thema ein, die kluge Auswahl der Texte macht ihn zudem auf das anfängliche Spannungsverhältnis zwischen der Kulturkritik der Queer Studies und der Ökonomiekritik marxistisch geprägter Denker aufmerksam: Erst in den letzten fünfzehn Jahren denken die Queer Studies die ökonomischen Bedingungen bei der Analyse von Sexualität mit, liest Bernard in einigen Beiträgen. Dass die dem Fach innewohnende "übermäßige Selbstbezüglichkeit" zu einer eher "kurzen Lebenszeit" der Disziplin beitragen könnte, erkennt Bernard allerdings auch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.09.2023
Sehr froh ist der in Stanford lehrende Germanist Adrian Daub, dass einige Grundlagentexte der "Queer Studies", die man man bisher nur auf Englisch pauken konnte, nun auch auf Deutsch zur Verfügung stehen. Den Herausgebern ist es laut Daub gelungen, auf den knapp 600 Seiten des Bandes alle Richtungen abzubilden. Ihre 93-seitige Einleitung helfe überdies beim Verständnis dieser, wie es sich für diese Theorien gehört, Buntheit. Als gemeinsamer Nenner stellt sich für Daub heraus, dass vor allem grundlegende Begriffe der Differenz in diesen identitäts- und differenzseligen Theorien in Frage gestellt werden, also der Begriff der Frau ("Wenn der Feminismus die Welt aus Sicht 'der' Frau denkt, wer ist dann mit 'die' Frau gemeint?), der Begriff des Kindes und der Begriff des Homosexuellen. Denn homosexuell sein an sich ist zumindest theoretisch nicht mehr sexy, so Daub: "Nur wenn die konzeptuellen Konsequenzen aus einer nicht-heteronormativen Orientierung gezogen werden, stellt diese wirklich eine Herausforderung für etablierte Macht- und Denkstrukturen dar." Allein die Mullahs im Iran, die Schwule, und nicht "Queere" an Kränen aufhängen, sehen das vielleicht ein bisschen anders - aber ob in dem Band auch auf die Rolle von Religionen eingegangen wird, lässt Daub in seiner Rezension offen.
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