Bernd Stegemann

Die Öffentlichkeit und ihre Feinde

Cover: Die Öffentlichkeit und ihre Feinde
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2021
ISBN 9783608984194
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein Plädoyer für eine neue Debattenkultur und eine Öffentlichkeit, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist. Die Öffentlichkeit unserer zerstrittenen Spätmoderne ist in einer desolaten Lage. Klug und scharfsinnig untersucht der Autor ihren Zustand, benennt ihre Feinde und Bedrohungen und stellt die Schicksalsfrage: Wie können wir eine zukunftsfähige Öffentlichkeit schaffen? Die Öffentlichkeit ist der zentrale Wert unserer Demokratie. Nur wenn sich freie Meinungen ohne Angst begegnen, können sie das verhandeln, was alle angeht. Ohne eine funktionierende Öffentlichkeit kann niemand seine Interessen formulieren oder seine Meinung bilden. Doch die spätmoderne Öffentlichkeit sieht sich in einer paradoxen Lage. Je mehr Menschen durch die sozialen Netzwerke Zugang haben, desto chaotischer werden ihre Debatten. Radikale Vereinfachungen führen zu einer polarisierten Öffentlichkeit, in der es nur noch Freunde und Feinde gibt. Wer auf sachliche Informationen und einen rationalen Diskurs hofft, wird immer öfter enttäuscht. Dabei steuert unsere Gesellschaft auf eine doppelte Katastrophe zu. Die Zersplitterung des Sozialen nimmt in wachsendem Tempo zu und die Veränderungen des Anthropozäns zeichnen sich immer drohender am Horizont ab. Es ist also höchste Zeit, die Ursachen der zerstrittenen Öffentlichkeit aufzuzeigen. Denn sonst stehen wir bald vor einem brennenden Haus, und statt zu löschen, schreien wir uns alle weiter an.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.03.2021

Rezensent Arno Orzessek empfiehlt Bernd Stegemanns theoriegeladenen Rundumschlag gegen linke Identitätspolitik und vor allem den Neoliberalismus als "grelles Symptom" der Verzweiflung. Stegemanns "handliche" Analyse des "Strukturwandels der Öffentlichkeit" mit Luhmann und Marx liest sich für Orzessek durchaus angenehm. Mitunter lässt der Autor es aber an differenzierter Betrachtung fehlen, meint der Rezensent. Identitätspolitik hat schließlich auch legitime Anliegen, findet er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2021

Sehr ausführlich und vollmundig-wütend streitet Jens-Christian Rabe mit dem Autor. Der Kritiker ordnet den Autor zuerst in einen gewissen Kontext ein, informiert, dass er zur linken "Aufstehen"-Bewegung - mit Sarah Wagenknecht - gehörte und insgesamt zu einer publizistischen Richtung, die Rabe "eine Art Backlash von linksliberaler Seite" nennt. Das Buch fuhrwerkt nach Meinung des Kritikers reichlich mit dem "Grundstudium-Zettelkasten" herum, um sich die neue Unkultur des Korrekten und des Verbietens vom Hals zu halten. Der Kritiker meint, hier werde leider nur mit den schwächsten Argumenten der Gegner ein Strauß ausgefochten und er stört sich an der "verblüffenden Selbstverständlichkeit", mit der sich auch dieser Autor "als Teil der Lösung" begreift.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.03.2021

Wenn selbst ein SPD-Urgestein wie Wolfgang Thierse für Selbstverständlichkeiten von seiner eigenen Parteichefin zur moralischen Unperson erklärt wird, hält es Rezensent Peter Laudenbach für höchste Zeit, ein bisschen Klarheit in die Debatte zur Identitätspolitik zu bringen. Und da er den Dramatiker Bernd Stegemann durchaus zu schätzen weiß, folgt er mit großem Interesse Stegemanns Analysen verquerer Argumentationen, die mit bewusst begrifflicher Unschärfe immer wieder hohes Erpressungspotenzial schaffen. Das findet Laudenbach sehr richtig. Aber er sieht auch, dass Stegemann einseitig bleibt und für Dysfunktionalität und gesellschaftliche Spaltung allein die Identitätspolitik verantwortlich macht. Aber nicht Black Lives Matter erodiert die USA, betont der Rezensent, sondern der Rassismus. Mitunter fühlt sich Laudenbach an K-Gruppen der Siebziger erinnert, die den neuen sozialen Bewegungen vorwarfen, vom ökonomischen Hauptwiderspruch abzulenken. Am Ende hält Laudenbach das Buch eher für ein Symptom der Krise als für eine Medizin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2021

Rezensent Günther Nonnenmacher verzweifelt ein bisschen an Bernd Stegemanns theoriegesättigter "Transzendenzsuche". Die Argumente eines klassischen Linken mit Hang zur Dialektik gegen den Neoliberalismus vermag Nonnenmacher im Buch zwar gut zu erkennen, was Stegemann eigentlich umtreibt aber bleibt ihm ein Rätsel. Will er die Widersprüche der Postmoderne aufzeigen oder nur Theorien dissen, ohne selbst konkrete Lösungsvorschläge anzubieten? Stegemanns Ideal "gemeinschaftsstiftender Kommunikation" jedenfalls bleibt ein Ideal, meint der Rezensent. Einige laut Nonnenmacher durchaus treffende Beobachtungen, etwa zur Migration, gehen in einem methodisch ungeordneten Gedankenwust zu allerhand Themen (Religion, Transzendenz, Adorno, Ökologie) unter, bedauert der Rezensent.
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