In einem lebhaften Dialog bieten Edward Lucie-Smith und Judy Chicago einen neuen, anderen Blick auf die Kunstgeschichte. Sie beleuchten den sozialen und kulturellen Kontext, in dem Künstlerinnen und Modelle gelebt und gearbeitet haben. Auch bei anerkannten Meisterwerken wagen sie die Frage, wie deren künstlerischer Wert beurteilt werden muss. Die Doppelperspektive von Frau und Mann, renommiertem Kritiker und engagierter Künstlerin, führt zu verblüffenden Erkenntnissen.
Elisabeth Bronfen, einer der Stars unter den Gender-TheoretikerInnen der 90er-Jahre, setzt sich mit dem ihr grundsätzlich konträren Ansatz der Künstlerin Judy Chicago, deren große Zeit die 70er-Jahre waren, auf erstaunlich faire Weise auseinander. Sie referiert ausführlich deren Positionen, die alle um die These einer festgeschriebenen Relation von Bild, Bildinhalt und Bildrezeption kreisen. Diese These, so Bronfen, bestimmt auch die Bildauswahl des reich illustrierten Bandes: der "Andere Blick" der Frau und auf die Frau soll in Bildern von starken Frauen wie starken Bildern von Frauen (als wiederentdeckten Künstlerinnen) gefunden werden. Chicago ignoriere dabei völlig, so Bronfens theoretischer Haupteinwand, "dass es viele, oft widersprüchliche Wege gibt, wie Bilder in der Welt sind, wie sie dort wirken, und wie wir sie individuell aufnehmen." Der Eindeutigkeit der Beziehungen stellt Bronfen das Modell eines "negotiated reading" gegenüber, das der Betrachterin (wie dem Betrachter) die Möglichkeit der Aushandlung eines eigenen Blicks mit dem Bild zugesteht. Unfreiwillig entlarvend, so Bronfen, sei das Verhältnis von Künstlerin-Autorin Judy Chicago und dem Kunsthistoriker Edward Lucie-Smith. Es scheine so, als habe Chicago die männlich-wissenschaftliche Bestätigung ihrer Thesen nötig. Zur ungewollten Ironie des ganzen Unterfangens trage zusätzlich bei, dass die Bildauswahl sich justament als "Hommage an unser tradiertes Bildrepertoire des weiblichen Körpers" erweise.
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