Was geschieht mit einem Menschen, dem durch besondere Zeitumstände, durch Prophezeiungen, in die er hineinwächst, und durch die eigene geistige Veranlagung Göttlichkeit aufgebürdet wird? Antworten auf diese Frage gewinnt Jürg Amann aus den vier neutestamentlichen Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Aus diesen Texten hat Amann die Autobiografie Jesu Christi extrahiert, eine faszinierende Erzählung, in der uns einer der berühmtesten Heilsbringer der Menschheitsgeschichte nahekommt wie nie zuvor ganz im Sinne des Fazits von Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter, der Jesus gegen eigenes Ermessen und nur unter dem Druck der Menge zum Kreuzestod verurteilte und ausrief: "Seht, ein Mensch!"
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2013
Wie nun als Rezensent damit umgehen, fragt sich Thomas Strässle ratlos: Dass Amann gerne aus anderer Munde spricht, ist nach seinen vorgeblichen Autobiografien Kafkas und eines KZ-Aufsehers zwar bekannt, doch verzichtet der Autor im vorliegenden Band nun mit aller Konsequenz auf eine eigene Position. Für Jesu Autobiografie streicht er die Evangelien zusammen, bleibt im sprachlichen Duktus bis ins Detail biblisch und erhebt dabei keinerlei Anspruch auf Originalität oder eigene literarische Leistung (von einer Setzung des Endes vor der Kreuzigung - aus naheliegenden Gründen - abgesehen). Weshalb Strässle recht hilflos mit den Schultern zuckt: Was und wie es beurteilen also? Die "kompositorische Arbeit", der (wie der Rezensent anmerkt: allerdings meritenlose) Wechsel zu einer inneren Perspektive Jesu? Mein Autor, mein Autor, ruft der Rezensent allein auf weiter Flur, warum hast Du mich verlassen!
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