Argentinien, 50er Jahre. Im Colegio Friedrich, der deutschen Schule in La Plata, herrscht eine explosive Stimmung. Denn hier lernen Kinder aus jüdischen Emigrantenfamilien zusammen mit Kindern von Naziverbrechern und bilden zutiefst verfeindete Gruppen. Tom, der 17-jährige Sohn eines untergetauchten Nazis, kommt neu an die Schule, und noch bevor er den anderen klar machen kann, wer er ist, begegnet er dem jüdischen Mädchen Walli und verliebt sich in sie. Aus Liebe und aus Scham und auch aus Rebellion gegen seinen Vater verschweigt Tom Walli und den anderen seinen wahren Familienhintergrund und behauptet, auch er sei Jude. Eine unvorstellbare Lüge die schnell zu fatalen Konflikten eskaliert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.03.2013
Die Fragen, die dieser Jugendroman von Jürgen Seidel aufwirft, erscheinen Antje Weber so außergewöhnlich wie wichtig. Es geht um Schuld in der zweiten Generation, um Rache und Blut. Mit dem Argentinien des Jahres 1952, wo sich die Täter und die Opfer des Naziregimes gleichermaßen versammeln, wählt der Autor ein Setting, das der Rezensentin das Eintauchen in eine beklemmende Nachkriegsatmosphäre außerhalb Deutschlands ermöglicht. Die Figuren findet sie vielschichtig genug angelegt, um die aufgeworfenen Fragen zu transportieren. Dass die Story mitunter die Züge eines Thrillers trägt, gefällt Weber allerdings weniger gut.
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