Weil ich Ruth bin
Roman

Limmat Verlag, Zürich 2026
ISBN
9783039261017
Gebunden, 464 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Alle verfallen ihr. Sie geht selbstbewusst durch die Straßen in ihrem Glanz, zieht magisch die Aufmerksamkeit auf sich. Ruth. Ruth ist ein ganz besonderer Mensch. Sie kommt mit einem Fell zur Welt wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat "die Kraft". Sie kann Gewitter aufziehen lassen, Bäche zum Versiegen bringen, Dinge bewegen. Aber vor allem kann sie Menschen in Tiere verwandeln, vorübergehend. Und die Menschen strömen zu ihr, wollen Qualle sein auf Zeit, Languste, Hund, Vogel, Echse und dabei die Rechnungen vergessen, die Sitzungen im Büro, den Haushalt, das ganze moderne Leben. Ruth teilt ihre Kraft mit jedem einzelnen Menschen, sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Und sie hilft mit ihrer Kraft auch denen, die Gewalt erleben. Aber dann kommt Linda, die große, schöne Linda. Die verheiratete Linda. Was soll jetzt werden?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 28.04.2026
Für den Rezensenten Christoph Vormweg liegt die Bedeutung von Julia Webers Roman über eine Frau mit Fell und Zauberkräften nicht so sehr im Märchenhaften der Geschichte und im beliebten Verwandlungsmotiv, sondern in ihrer inneren Dynamik und Spannung, die Weber mit sinnlicher Verdichtung und starker Metaphorik erreicht. Literatur als überzeugende, in rhythmische Prosa gegossene existenzielle Erkundungsarbeit, findet Vormweg. Lesbar überdies, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.04.2026
Rezensentin Judith von Sternburg ist eingenommen von der Sinnlichkeit und Magie, die im dritten Roman der 1983 geborenen Schriftstellerin herrscht. Es geht um Ruth, auch die Ich-Erzählerin des Romans, die als Kind ein eigenes Fell besitzt, dass andere Leute in seinen Bann zieht und eine therapeutische Wirkung auf sie ausübt, lesen wir. Ruth hat aber auch andere Zauberkräfte, die ihr etwa erlauben, Menschen an Wände zu schleudern oder auch nur sanft in die Luft zu heben, so Sternburg. Mit zunehmendem Alter verliert Ruth jedoch ihr Fell und erhält dafür die Fähigkeit, Menschen temporär in Tiere zu verwandeln, wodurch prompt unterschiedliche Einwohner Einzelaudienzen bei ihr verlangen, um gegen Bezahlung ihre Wunschtierform annehmen zu können, resümiert Sternburg. Die bedächtige Ruhe, mit der diese Ereignisse erzählt werden, bildet ein Kontrast zu der härteren Realilität, in der sich Ruth zurechtfinden muss, beobachtet von Sternburg. Ruths Magie dient keineswegs dazu, Tragik oder Gewalt zu beschönigen, so die angetane Kritikerin, sorgt aber für Überraschungen, und "manchmal nur für Hoffnung".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2026
Zehn Jahre hat Julia Weber an ihrem neuen Roman gearbeitet, erfährt Rezensentin Leonie C. Wagner im Gespräch und das Warten hat sich gelohnt: Ihre Protagonistin Ruth wird mit einem Fell geboren, oszilliert zwischen Mensch und Tier und kann auch Menschen in Tiere verwandeln. Von Außenstehenden wird sie mal als Wunder, mal als Hexe betrachtet, erzählt uns die Kritikerin. Sie ist fasziniert von der Mischung aus Fakt und Fiktion, das Erzählte erscheint ihr mitunter "wie ein schwerer Traum". Im Gespräch stellt sich für Wagner heraus, dass Weber nach wie vor eng mit ihrer Protagonistin Ruth verbunden ist: Das Tierische an Ruth wird auch zum Intimen, wenn im Fell getastet wird oder wenn sie spürt, dass im Gebüsch tuschelnde Menschen sich nichts sehnlicher wünschen, als in Schmetterlinge verwandelt zu werden und zu fliegen, ein Wunsch, den sie mit ihrer Gabe sofort erfüllen kann. Das enge Verhältnis, das die Autorin zu ihrer Figur hat, macht den Text sehr persönlich, fügt die von Buch und Begegnung merklich angetane Kritikerin noch an.