Die Rede von der politischen Verdrossenheit hat wie kaum ein anderer Begriff die politische und politikwissenschaftliche Diskussion der achtziger und neunziger Jahre geprägt, obwohl der Begriff höchst problematisch ist. In der vorliegenden Arbeit wird gezeigt, dass sowohl aus analytischer als auch aus empirischer Perspektive nichts dafür spricht, am Verdrossenheitsbegriff festzuhalten. Insbesondere zur Analyse der politischen Einstellungen im vereinten Deutschland ist er denkbar ungeeignet, weil er die subtilen Unterschiede in der Struktur und Dynamik der politischen Unterstützung verwischt, die sich hier nach der Verschmelzung zweier so unterschiedlicher politischer Kulturen beobachten lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2002
Nur mit einer winzigen Einschränkung - nämlich dass am Ende nicht alles klarer "auf den Punkt" gebracht ist - lobt Udo Kempf diese Arbeit. Das Ergebnis jedenfalls, dass der Lieblingsbegriff journalistischer Kommentatoren "denkbar ungeeignet" sei, das wesentlich differenziertere Verhältnis des Bundesbürgers zu seinem Staat zu beschreiben, gefällt ihm. Ihm gefällt außerdem, wie der Autor dort angelangt ist: durch eine "Fülle von Analysedaten" sowie die Durchsicht von "180 einschlägigen Publikationen" zum Thema. Er pflichtet dem Autor bei, dass der Terminus der Verdrossenheit ersetzt werden müsse durch "Konzepte der politischen Unzufriedenheit", - aber ob mit solcher Umdefinierung die verschwindend klein gewordene Zahl von Parteimitgliedern im Lande sich erhöhen ließe?
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