Dissertation. Im August 1914 wurde über ein Viertel der Ruhrbergleute eingezogen oder meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Mehr als 110.000 Bergleute verließen die Zechen. Die Kohlenförderung sank um etwa die Hälfte. Der heimische Arbeitsmarkt bot trotz der verstärkten Anstellung von Frauen zu wenige Arbeitskräfte als Ersatz. Seit 1915 füllten die Bergwerksunternehmen die Lücken in ihren Belegschaften durch Zehntausende Kriegsgefangene aus Russland, Frankreich, Belgien, England oder anderen "Feindstaaten" sowie durch Zivilarbeiter aus den besetzten belgischen und russisch-polnischen Gebieten, die zum Teil auf freiwilliger Basis angeworben, aber auch unter Anwendung von Zwangsmitteln deportiert wurden. Über die Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und "Fremdarbeitern" aus den besetzten Ländern in der deutschen Landwirtschaft und Industrie während des Ersten Weltkrieges ist noch wenig bekannt. Dieses Buch untersucht detailliert, unter welchen Bedingungen diese Arbeitskräfte im Ruhrkohlenbergbau zur Arbeit eingesetzt wurden, wie sich ihre Lebenssituation entwickelte und wie die Zechenleitungen und Behörden mit ihnen umgingen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2006
Die umfangreiche Studie von Kai Rawe beleuchtet erstmals das bis dato historisch vernachlässigte Terrain der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte im Bergbau während des Ersten Weltkriegs, so Rezensent Eberhard Kolb. Rawe habe vor allem anhand unveröffentlichten Materials aus dem Bereich des Oberbergamts Dortmund die Arbeitsbedingungen, medizinische Betreuung und Verpflegung von Kriegsgefangenen und angeworbenen Zivilarbeitern untersucht. Hervorzuheben sei hier vor allem die zu einem "menschlichen, politischen und wirtschaftlichen Debakel" geratene völkerrechtswidrige Deportation zehntausender arbeitsloser Belgier von Oktober 1916 bis Februar 1917. Der Aktionismus, der vor allem von den Bergbaubetreibern ausgegangen sei, habe "enormen politischen Schaden angerichtet" und tausende von Menschen in Sammellagern festgehalten. Der Autor differenziere allerdings auch zwischen dem Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus. Im Ersten Weltkrieg sei man vor einer "Totalisierung der Zwangsarbeit zurückgeschreckt".
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