In Ägypten herrscht das Militär, in Syrien ein Massenmörder, Libyen versinkt im Chaos und die Golfstaaten werden weiter autokratisch regiert. Ein scheinbar düsteres Fazit zehn Jahre nach der arabischen Revolution. Karim El-Gawhary schildert, wie die Regime versuchen, jede Veränderung zu blockieren. Wie die Regionalmächte um ihre Einflusssphären kämpfen. Wie Europa die Lektion, dass arabische Autokraten Terror und Flüchtlinge produzieren, noch immer nicht gelernt hat. Die soziale Frage wird immer drückender. Das System bekommt Risse. Etwa im Sudan, wo der Autor Demonstranten in Khartum erlebt hat, die für einen neuen Staat kämpfen. Oder im Libanon und im Irak, wo er sah, wie vor allem junge Menschen gegen Misswirtschaft, Korruption und die konfessionell dominierte Politik auf die Straße gehen. Die Corona-Krise wird die Situation noch weiter verschärfen.
Zum zehnten Jahrestag des arabischen Frühlings empfiehlt Rezensent Jan Kuhlmann dieses Buch des Nahost-Korrespondenten Karim El-Gawhary als gelungenes Überblickswerk. Der Kritiker liest hier nochmal nach, weshalb die arabischen Aufstände in Tunesien erfolgreich waren, während in Ägypten die alte Ordnung vor allem durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an der Macht blieb: Die Kronprinzen Muhammad bin Salman und Muhammad bin Zayed verhinderten eine Demokratie in der Region, um ihre Macht nicht zu gefährden, liest der Rezensent. El-Gawharys Einschätzung, dass es nicht nur der Islam, sondern insbesondere die Armut und Ungleichheit der Bevölkerung sind, die für die "Verwerfungen" in der Region verantwortlich sind, stimmt der Kritiker zu. Ganz neue Perspektiven erhält er hier nicht, die Analyse des Autors ist aber in jedem Fall kenntnisreich und überzeugend, meint er.
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