Gustav Stresemann, Reichstagsabgeordneter ab 1907, 1923 Reichskanzler und bis zu seinem Tod 1929 Außenminister der Weimarer Republik, gehört zu den wenigen deutschen Politikern, die dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ihren Stempel aufgedrückt haben. Der machtbewusste Nationalliberale war schon zu Lebzeiten nicht unumstritten. Und bis heute polarisieren seine Politik und seine Person die Forschungen zur (Nach-) Geschichte Weimars. Als Würdigung seiner Friedensaktivitäten steht neben Kritik an aggressiver nationaler Großmachtpolitik, Zweifel am Wandel vom Monarchisten zum Republikaner neben der Anerkennung seiner Bemühungen um Stabilisierung der Republik. Dieser Sammelband bündelt den Stand der Stresemann-Forschung und lenkt das Interesse auf Person und Wirken eines der wichtigsten deutschen Politiker im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2002
Wer zwischen den Zeilen liest, kann den Worten von Kritiker Andreas Rödder eine gewisse ratlose Distanz zu dem Sammelband entnehmen, der - sozusagen als Stoffsammlung - vor der demnächst erscheinenden neuen Stresemann-Biografie von Karl-Heinrich Pohl herausgegeben worden ist. Die Autoren skizzieren zwar umfassend den aktuellen Forschungsstand, so Rödder, aber ob der vorherige Blick in die "Werkstatt" des Herausgebers und seiner Co-Autoren tatsächlich vonnöten war, bezweifelt der Rezensent doch sehr. In jener "Werkstatt" nämlich sieht es noch "recht unaufgeräumt aus", findet er; floskelartige Äußerungen stünden umrissenen Forschungsansätzen gegenüber und bilden offenbar für den Kritiker kein wirklich homogenes Bild von der Arbeit an der erwarteten Biografie. Wirklich kontrovers wird Stresemann schon lange nicht mehr diskutiert, erklärt Rödder, daher sei das eigentliche Ergebnis dieses Bands auch nicht die Ausbreitung irgendwelcher neuer spektakulärer Ansichten, sondern die Darstellung der "Einmütigkeit der Forschung über Stresemann". Und das klingt doch wenig beflügelnd.
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