Europa vor dem Ersten Weltkrieg: Im Zentrum der internationalen und globalen Beziehungen agiert die Weltmacht Großbritannien. Auf allen Ebenen der Diplomatie versucht es die alten Bündnisse der europäischen Staaten aufzubrechen. Die Geschichtswissenschaft hat diese Bemühungen bisher als Reaktionen auf die aggressive Außenpolitik des Deutschen Kaiserreiches interpretiert. Andreas Rose kann dagegen aufzeigen, wie sehr die englische Außenpolitik von ganz anderen Interessen getrieben wurde: innerbritischen, kontinentalen und imperialen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2011
Henning Köhler geht Andreas Roses Analyse der britischen Außenpolitik kritisch an und stellt fest: Des Historikers liebstes Kind, die Kontinuität, wird vom Autor demontiert. Roses Versuch einer Neubewertung des anglo-deutschen Verhältnisses, hin zu einem weniger antagonistischen Bild, den der Autor mit Blick auf die Außenpolitik, den diplomatischen Apparat und die Presse unternimmt, wartet laut Köhler mit interessanten Ergebnissen auf. Etwa bei der Relativierung der Bedrohungslage durch die deutsche Flottenpolitik. Betreffend die Geringschätzung der Entente cordiale möchte Köhler dem Autor allerdings nicht folgen. Hier erscheint ihm der Text vor maßgeblichen Sachverhalten die Flucht zu ergreifen und Konstellationen wie die zwischen Balfour und Landsdowne unterzubelichten. Für die kritische Diskussion taugt das Buch dennoch, und gut, meint der Rezensent.
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