Karl Heinz Roth spannt den Analysebogen vom Eintritt Griechenlands in die Europäische Gemeinschaft 1981 über die Folgen des Infrastrukturbooms im Zusammenhang mit der Olympiade 2004, den Einbrüchen bei der maritimen Logistik bis zur Durchleuchtung der De facto-Zwangsverwaltung des griechischen Gemeinwesens. In Roths Analyse der Austeritätsprogramme bekommt eine "Gesellschaft am Abgrund" ein konkretes Gesicht: Medikamentenmangel beeinträchtigt die Gesundheitsversorgung, (Schul)Kinder verfallen in Melancholie, Mentalitäten sozialer Depression und Emigrationswellen breiten sich aus.
Von diesem Ex-SDSler erwartet Rezensentin Christiane Müller-Lobeck noch so manche kluge Einlassung zum Thema Schuldenkrise. Vorerst äußert sich Karl Heinz Roth in diesem partiell bereits in der Netzpublikation "Sozialgeschichte online" veröffentlichten Text ausführlich zur Griechenlandpleite, gut recherchiert, analytisch und im Rückblick die Entwicklung seit dem EU-Beitritt des Landes aufzeigend, wie Müller-Lobeck erklärt. Dass der der antiautoritären Linken nahestehende Roth dabei mit drastischem Vokabular nicht spart, wundert die Rezensentin nicht.
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