Karl-Markus Gauß

Im Wald der Metropolen

Cover: Im Wald der Metropolen
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2010
ISBN 9783552055056
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Karl-Markus Gauß erprobt sich mit seinem neuen Buch in verschiedenen Genres und erfindet dabei ein neues: "Das Gesicht der Welt" ist eine große Erzählung über eine Reise, die vom Burgund nach Transsilvanien, von der Kleinstadt in Thüringen auf die Insel in Griechenland führt, eine Reportage in dreizehn Stationen, die von den Straßen von Bukarest berichtet, im Niemandsland an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien haltmacht, den Geräuschen von Istanbul und der Stille auf einem Militärfriedhof in Italien nachspürt; es ist eine Kulturgeschichte von Europa, wie wir sie, so reich an Zusammenhängen und ungeahnten Verwandtschaften, bisher noch nicht gekannt haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2011

Ganz hingerissen ist Rezensent Helmut Böttiger von Karl-Markus Gauß' Erzählungen, die ihn durch Europas Tiefenschichten führte, von Großstädten in entlegensten Provinzorte, von den Sehnsuchtsorten der Literatur zu den traurigsten Menschen, deren Gesichter er dann in Skulpturen aus dem 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Es geht nach Wien und Brünn, Neapel und Brüssel, Beaune und Schlettstadt. Allesamt Orte mit magischen Namen, aber gibt es Vrzdenec und Dragatus wirklich? Eine literarische Gattung kann Böttiger für diesen Band beim besten Willen nicht finden, Erzählungen sind das nicht, ein Reisebuch ist das nicht, auch kein Geschichts- und kein Kunstbuch, auch wenn Gauß vom Reisen erzähle und tief in Kunst und Geschichte hineintauche. Verbunden mit all den so "suggestiv herbeizitierten" Dichter, entsteht für Böttiger ein ganz feines, aber untentwirrbares Gewebe, der "Zusammenhang von Kunst und Leben" nämlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

Einmal nicht um Paris oder Berlin und seine Dichter geht es in diesem Band von Karl-Markus Gauß, den Rezensent Dirk Schümer uns wärmstens empfiehlt, um das europäische Stimmengewirr komplett zu kriegen sozusagen oder noch besser: die eigentliche Geschichte erst einmal zu erfahren. So folgt Schümer dem ethnografisch literaturhistorisch unerschrockenen Autor zu den Lausitzer Sorben, den slowakischen Roma oder zu den einst totgesagten tschechischen Dichtern Blatny und Listopad, und entwickelt "Resistenzen gegen das Offenkundige". Mit Humor und Melancholie angerichtet vor Stadt- und Landschaftsbildern bereiten diese Streifzüge am Rand dem Rezensenten nicht nur reinen Lesegenuss, sondern eben auch jene Einsicht in die Möglichkeit einer anderen, möglicherweise ja der wahren Geschichte unserer Zivilisation.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2010

Dass dieser Autor stets alles gibt, steht für Georg Renöckl mal fest. Auch, dass der Leser ein Risiko eingeht, lässt er sich auf ein Buch von Karl-Markus Gauß ein, ein freilich gewinnbringendes Risiko, denn Lust winkt und Erkenntnis. So auch in diesem "glänzend geschriebenen" Buch, das der Rezensent uns warm ans Herz legt als eine Art Kulturgeschichte Europas. Die den Rezensenten allerdings ganz schön fordert mit ihren kreuz und quer aufgetanen Zusammenhängen mal erbaulicher, mal erschreckender Art. Besonders beschenkt fühlt sich Renöckl durch das Faible des Autors fürs Marginale, Sprachen, Völker, Kulturen, Landstriche, Möglichkeiten schlicht. Einer gewissen melancholischen Stimmung kann sich der Rezensent da nicht entziehen. Doch macht ihn der Band auch nachdenklich, stimuliert ihn und seine Sinne, den fürs Wirkliche und den fürs Mögliche.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.07.2010

Klar liegt der Rezensentin das Interesse des Autors für die Rand- und Widerständigen auf der Hand. Und Renate Wiggershaus sucht und findet sogar die für Autor und Buch exemplarische Verfahrensweise. Karl-Markus Gauß nämlich, erklärt uns Wiggershaus, reiht Erlebnisse und Eindrücke aus verschiedenen Erdteilen aneinander und verbindet sie durch Geräuschreminiszenzen, wie dem Bimmeln einer Glocke oder dem Palaver eines alten Mannes, miteinander. Tiefenschärfe und Lebendigkeit verleiht Gauß seinen Texten laut Wiggershaus durch historische Exkurse. Vermisst hat sie indes Bezüge zur unmittelbaren Vergangenheit, Belgrad betreffend etwa zum Krieg und zu den Massakern. Hier meint sie die Grenzen der sehr persönlichen Gauß'schen Reportagen zu erkennen. Dem Reiz der durch sie unvermutet offengelegten Zusammenhänge im europäischen Raum tut dies ihrer Ansicht nach jedoch keinen Abbruch.

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