Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Mit Bildern von Anna Bjerger. "Im Frühling" ist der dritte Teil der aus vier Bänden bestehenden Jahreszeiten-Reihe von Karl Ove Knausgård. In diesem Kurzroman begleiten wir einen Vater und seine drei Monate alte Tochter durch einen Tag im Frühling. Ein Tag, geprägt vom Anfang des Lebens, von Aufbruch und Licht, aber auch von Dunkelheit und Beschwernis.
Richard Kämmerlings liest Karl Ove Knausgards vierbändigen Jahreszeitenzyklus als Zeugnis einer Krise. Die banalen Anlässe, wie das Nachdenken über Thermoskannen und Gummistiefeln, können ihn nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Zentrum des Zyklus ein schwarzes Loch klafft, die Krankheit von Knausgards Ex-Frau Linda Boström. Die autobiografische Obsession wird zunächst in kleinerer Münze fortgeführt, erklärt Kämmerlings, ehe mit dem Frühjahrs-Band eine radikale Änderung eintritt, mit der die Verklärung des Alltäglichen erst verständlich wird. Ein Hauptwerk, das sich als Nebenwerk ausgibt, erkennt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2018
Die hier rezensierende Dichterin Silke Scheuermann vergleicht Karl Ove Knausgards neuestes auf Deutsch erhältliches Buch mit den anderen Bänden aus dem Jahreszeitenzyklus sowie mit der Autobiografie des Autors. Gegenüber den anderen Bänden der Reihe schneidet der Text ihrer Meinung nach besser ab, weniger kitschig und banal, mehr reflexiv, wenngleich weniger emotional als "Mein Kampf". Die Alltags- und vor allem die Naturbeschreibungen findet sie stellenweise brillant. Dass der Autor mit dem Thema Schuld gelassener umgeht, fällt ihr auf, ebenso, dass die Depression seiner Frau Linda im Text weniger eindringlich thematisiert wird. Beim Lesen dieser Passagen, die für Scheuermann zu den spannendsten des Buches gehören, stellen sich der Rezensentin schwer zu beantwortende Fragen von Ethik und Ästhetik.
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