Katajun Amirpur

Iran ohne Islam

Der Aufstand gegen den Gottesstaat
Cover: Iran ohne Islam
C.H. Beck Verlag, München 2023
ISBN 9783406803062
Gebunden, 240 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Frauen verbrennen ihren Hijab, Mullahs werden die Turbane vom Kopf gerissen. Katajun Amirpur ordnet den Aufstand gegen den Gottesstaat, der seit September 2022 im Gange ist, in eine Entwicklung ein, die vom Westen bisher kaum bemerkt wurde: Nicht nur die iranische Gesellschaft wendet sich zunehmend vom Islam ab, sondern auch das Regime selbst. Nationale Größe hat sogar offiziell Vorrang vor dem Koran. Nicht die Mullahs herrschen, sondern Polizei und Militär. Das aufrüttelnde Buch lässt uns Iran mit anderen Augen sehen. Der Iran ist seit der Revolution von 1979 ein Gottesstaat: Allah selbst regiert das Land mit Hilfe eines Rechtsgelehrten, der stellvertretend die Staatsgewalt innehat. So jedenfalls die Ideologie, der das westliche Bild vom Staat der Mullahs willig folgt. Doch hinter der Fassade der strikten Gottesherrschaft hat sich längst eine brutale Diktatur der Revolutionsgarden etabliert, der es um Machterhalt und geopolitischen Einfluss geht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2023

Rezensent Rainer Hermann erfährt bei Katajun Amirpur, wie leer die Moscheen im Iran sind. Die Autorin leistet laut Hermann mehr als die Einordnung der Proteste nach dem 16. September 2022, sie bietet eine Nachzeichnung der Entwicklungen hin zu diesem Punkt, zeigt, wie und seit wann sich die Menschen von der Islamischen Republik abwenden. Indem sie mit Akteuren (z.B. Feministinnen und Menschrechtlern) spricht und den iranischen Alltag beschreibt, kann sie vermittelt, inwiefern der Islam seinen "moralische" Orientierung verloren hat, erklärt Hermann. Vor diesem Hintergrund werden die Proteste besser verständlich, findet er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.06.2023

Rezensentin Ina Rottscheidt lernt aus dem Buch der Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur einiges über die politischen Entwicklungen im Iran. Die massiven Proteste richten sich nicht nur gegen die Unterdrückung durch das Regime, sondern auch gegen den Islam als "verbindliches Wertesystem", stellt die Autorin fest, und erklärt die Etablierung eines "real existierenden politischen Islam" für gescheitert, wie Rottscheidt erläutert. Amirpur blickt zurück auf vier Jahrzehnte iranischer Politik und legt dar, wie sich die wirtschaftliche Lage unter drei Präsidenten immer weiter verschlechterte und die Repression wuchs, so die Kritikerin. Rottscheidt schätzt die Präzision der Darstellung und das Wissen, das aus dieser Analyse spricht, die den Zusammenbruch der Islamischen Republik als reine "Frage der Zeit" ausweist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.04.2023

Rezensent René Wildangel bespricht drei Bücher über die Proteste der Frauen im Roman und findet alle äußerst lesenswert. Im Buch der deutsch-iranischen Professorin Katajun Amirpur geht es nicht hauptsächlich um die Proteste selbst, sondern um deren Vorgeschichte. Amirpur legt dar, dass der Iran schon lange zur "postislamischen Gesellschaft" geworden ist, so der Rezensent, und wendet sich besonders der Regierungszeit von Mohammad Chatami zu, der das Land reformieren und öffnen wollte, den USA und Europa aber als Repräsentant des "Mullah-Staates" galt. Damit zeigt sie, dass aus dem religiösen Lager selbst wichtige Systemkritik laut wurde. Während der Rezensent diese Analyse "äußerst erhellend" findet, hätte er gerne ausführlichere Vorschläge der Autorin zur Verbesserung der aktuellen Situation gelesen.

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