Marie rennt panisch einen Berg hinauf. Auf der Flucht vor einer Welt, in der vieles aus dem Lot geraten ist, sucht sie Schutz bei ihrer Cousine Johanna. Ausgerechnet bei Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm lebt. Marie und Johanna, sie könnten nicht unterschiedlicher sein: die scharfzüngige Wienerin, Luxusgeschöpf aus einer Luxuswelt, zugleich verwöhnt und verachtet von Ehemann Peter - und das "wilde Tier im Körper von einem Menschen" (Marie über Johanna), das beim Erwachsenwerden scheinbar die Sprache verloren und die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Für die beiden Frauen beginnt ein ungewöhnliches Kräftemessen, ein Ringen um ihr Selbstverständnis, aber auch um einen gemeinsamen Weg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2025
Rezensentin Melanie Mühl zeigt sich beeindruckt von der soghaften Kraft, mit der Katharina Köller die Geschichte zweier ungleicher Cousinen erzählt: Marie wohnt in der Stadt und hat sich mit ihrem Mann gestritten. Sie flieht auf die Alm, auf der nach glücklichen Kindheitserinnerungen nun ihre Cousine Johanna fast eremitenartig lebt. Die romantischen Dorfideale, die sich so eine Städterin normalerweise ausmalt, kommen gar nicht erst vor, lobt Mühl, Marie lernt die Einsamkeit und die körperliche Geschundenheit kennen. Dass die Annäherung der beiden Frauen unsentimental, voller Verletzungen und ganz echt erzählt wird, findet ebenfalls den Beifall der Kritikerin. Wie Unheimliches und Mysteriöses auch mit überwältigenden Naturschilderungen verknüpft wird, erinnert sie ein wenig an Marlen Haushofer.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2025
Kraftvoll nennt Rezensentin Christiane Lutz Katharina Köllers Roman über eine Frau, die vor der Gewalt ihres Partners in die Berge flieht. Laut Lutz geht es im Buch aber gar nicht so sehr um häusliche Gewalt, sondern um verschiedene Formen von Einsamkeit, derjenigen der Hauptfigur und derjenigen ihrer in einer scheinbaren Bergidylle lebenden Cousine. Wie die beiden Einsamkeiten sich begegnen, verhandelt die Autorin laut Lutz nicht als Nature Writing, eher als Studie über Selbstaufgabe, Schuldgefühle und das Patriarchat. Die Sprache ist entsprechend "pragmatisch", so Lutz.
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