"Ein Mann bekommt Schmerzmittel. Eine Frau etwas für die Nerven." Wie weiblicher Schmerz unterschätzt, übergangen und abgewertet wird. Eine feministische ErkundungMänner sollen stark sein, Frauen sind es angeblich nicht. Dabei bekommen sie Kinder und schmerzhafte Perioden, leiden häufiger an chronischen Schmerzen und sind stärker von häuslicher und sexueller Gewalt betroffen. Gleichzeitig wird ihr Schmerz weniger ernst genommen und schneller ruhiggestellt: Auf einen schmerzmittelabhängigen Mann kommen gut doppelt so viele Frauen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2025
Ein eindringliches Buch über ein lange tabuisiertes und auch heute noch längst nicht beigelegtes Thema hat Eva Biringer laut Rezensentin Aurelie von Blazekovic geschrieben. Es geht um Schmerzen, die Frauen in verschiedenen Phasen ihres Lebens erleiden und die früher normalisiert und verschwiegen wurden: Schmerzen bei der Geburt, Regelschmerzen und andere Leiden. Biringer schreibt unter anderem über ihre eigene Großmutter, die in ihrem Tagebuch neben anderen alltäglichen Aufzeichnungen oft von höllischen Magen-, Gallen- und Kopfschmerzen berichtet. Blazekovic ergänzt weitere Beispiele und fühlt sich beim Lesen an andere Bücher zu ähnlichen Themen erinnert, insbesondere an Miranda Julys "Auf allen vieren". Zwar werden Schmerzen von Frauen heute in manchen Bereichen offener angesprochen, schließt sie, aber dennoch zeigt ein Buch wie dieses, dass es noch viel zu tun gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.12.2024
Eva Biringer, Journalistin und Autorin, fragt sich in ihrem neuen Buch, wieso der Schmerz der Frauen jahrhundertelang ignoriert, abgewertet und nicht ernstgenommen wurde - und wieso das in Teilen immer noch so ist, wie Rezensentin Sylvia Staude festhält. Anstoß für das Buch war der Schmerz, der Biringers Großmutter ihr Leben lang begleitet hat, vielleicht war es Endometriose, erfahren wir, davon ausgehend verwebt sie etymologische Überlegungen, etwa dass in vielen Sprachen eine Verbindung zwischen Schmerz und Strafe besteht, mit biblischen und mythologischen Geschichten um Eva und Pandora. Staude liest zudem von der schwierigen Frage, wie man Schmerz objektiv erforschen soll. Nach der Lektüre kommt dieses informativen Buches kommt sie allerdings zu dem bestürzenden Schluss, dass wir von einer geschlechtergerechten Medizin noch weit entfernt sind.
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