Die gemeinsame Mahlzeit zählt zu den wichtigsten Alltagsritualen in Familien. Im Rahmen einer pädagogischen Ethnographie wird in diesem Buch zum einen verdeutlicht, wodurch sich die soziale Situation bei Tisch von Gewohnheiten oder Routinen abhebt und mit der Kategorie "Ritual" sinnvoll untersucht werden kann. Zum anderen zeigt die umfangreiche empirische Analyse, wie sich bei Tisch die Konstitution der Familie im Hinblick auf die Anerkennung von Autorität vollzieht. In Anlehnung an Pierre Bourdieus Konzept der sozialen Magie wird der Zusammenhang von symbolischer Praxis, pädagogischen Interaktionen und Autoritätsstrukturen rekonstruiert. Das Tischritual erweist sich als ein Mittel der familialen Differenzbearbeitung, dessen pädagogisches Potential bislang unterschätzt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2007
Lobend äußert sich Rezensent Florian Kessler über diese Analyse von Familienritualen, die Kathrin Audehm vorgelegt hat. Wie er berichtet, hat die Autorin als "Ethnologin des Alltags" anknüpfend an Konzepte des Soziologen Pierre Bourdieu mehrere Familien bei zahlreichen Mahlzeiten beobachtet und protokolliert. Deutlich wird für ihn, welch Erkenntnisgewinn in der Beobachtung von kleinsten Zusammenhängen bedeuten kann. Audehns Studie über Familienrituale führt seines Erachtens vor Augen, "wie schützenswert und pädagogisch produktiv gemeinsam zelebrierte Tischrituale in Familien im besten Fall sein können". Deprimierend scheint ihm in diesem Zusammenhang, dass gut ein Fünftel der bundesdeutschen Familien keine gemeinsamen Mahlzeiten einnimmt.
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