"Sympathiezauber" vereint drei Dinge: den historischen Gegenstand kulturanthropologischer Forschungen zu den sozialen Beziehungen zwischen Mensch und Welt, einen Modus körperlichen Ergriffenseins durch Ähnlichkeit und eine Poetik sprachlicher Präsenzerfahrungen, die den Leser in ihren Bann ziehen. Michael Taussigs Lektüren zur Geschichte der Anthropologie entwickeln ebenso wie die Ergebnisse seiner Feldstudien in Südamerika eine neue Perspektive auf das, was die "Wissenschaft vom Menschen" zum Verständnis jener weltweiten Verflechtungen beitragen kann, denen überkommene Fortschrittsgeschichten und sozialwissenschaftliche Modellvorstellungen allenfalls am Rande Rechnung tragen. "Sympathiezauber" macht darauf aufmerksam, dass die mangelnden Gewissheiten im Zeitalter von Globalisierung und Ressourcenverknappung vor allem Konsequenzen in der Art und Weise erfordern, in der wir die Geschichte unserer Welt erzählen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2014
Postkoloniale Scheuklappen runter, empfiehlt Thomas Hauschild. Gleich mit empfehlen kann er Michael Taussigs hier versammelte ausgewählte Schriften, in denen der Kulturanthropologe von der Columbia University verstörende Erkenntnisse zu Magie und Kokain darlegt. Ästhetisch-politisch-religöses Nachdenken deutet bei diesem Autor laut Hauschild auf interessante Zusammenhänge hin, etwa zwischen Staatsfetischismus und Neurobiologie oder zwischen Agrobusiness, Terror und Wetter. Wie sich das Industrielle in der Magie widerspiegelt, kann Hauschild sehen, und er lernt vergessene Ethnografen kennen, Martin Gusande, Günther Tessmann. Lesenswert, findet er.
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