Weltklimakonferenzen in Ölstaaten, LNG-Terminals vor deutschen Küsten, eine grüne Regierung, die kein Geld für Bus und Bahn hat, aber für die Subvention von Dienstwagen? Es ist die bittere Wahrheit: Was momentan passiert, verschärft die Erderwärmung. Anstatt das Klima zu schützen, wird Öl ins Feuer gegossen. Die renommierte Journalistin Kathrin Hartmann zeigt, was Klimapolitik bei ständigem Wirtschaftswachstum bedeutet. Sie reist zu den "Sacrifice Zones" im Süden der USA, wo das angeblich "saubere" Flüssigerdgas nach Europa verschifft wird, und nach Sambia, wo Menschen vertrieben werden, damit das Milliardengeschäft mit zweifelhaften CO₂-Zertifikaten florieren kann. Der Shift von der CO₂-Vermeidung zu gefährlichen Scheinlösungen wie "Carbon Management" und dem Speichern von CO₂ unter der Erde scheint längst vorgezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.09.2024
Eine wichtige Warnerin ist Kathrin Hartmann in ihrem neuen Buch, meint Rezensent Thomas Hummel, teilweise ist sie aber doch zu apodiktisch unterwegs. Sie schreibt, lernen wir, über die aus ihrer Sicht gescheiterte weltweite Klimapolitik, besucht Ölraffinerien in den USA und protokolliert die Gesundheitsschäden, die dieselben in der lokalen Bevölkerung anrichten, blickt aber auch auf die vorgeblich nachhaltigere Politik Deutschlands und findet nur Greenwashing. Ziemlich eindrücklich sind die Begleiterscheinung der fossilen Energiegewinnung beschrieben, lobt Hummel, der freilich Zwischentöne und ein Bewusstsein für Widersprüche vermisst. Dass Hartmann gar nicht unterscheiden möchte zwischen texanischen Ölbaronen und grünem Kapitalismus, leuchtet ihm nicht ein, und wenn er der Bundesregierung gar antidemokratisches Verhalten während der Energiekrise nach dem Überfall auf die Ukraine attestiert, will er erst recht nicht mitgehen.
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