Katja Behling-Fischer

Zu Tisch bei Freud

Lebensweise, Gastlichkeit und Essgewohnheiten des Gründers der Psychoanalyse
Cover: Zu Tisch bei Freud
Christian Brandstätter Verlag, Wien 2000
ISBN 9783854980407
Gebunden, 128 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Mit 80 Abbildungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000

Österreichische Geistesgrößen und ihr Verhältnis zum Kulinarischen - damit befasst sich Christiane Zintzens Sammelrezension von drei Neuerscheinungen, die das Thema an den Beispielen Thomas Bernhard, Sigmund Freud und Adalbert Stifter abhandeln.
1) Hilde Haider-Pregler, Birgit Peter: "Der Mittagesser"
An den beigegebenen Rezepten möge man Thomas Bernhards (oder seiner Figuren) entschiedene Meinungen zu den in seinen Texten servierten Gerichten überprüfen. Das Spektrum geht von Apfelstrudel bis zu Blutwurst und Kutteln. Wer sich das ersparen will, wozu die Rezensentin rät, kann Gedanken zu Wiener Cafés nachlesen, dürfte dabei aber vom "säuselnd touristischen Ton" der Autorinnen etwas irritiert werden. Die Rezensentin fühlt sich an die "Brigitte" erinnert und hält es für eine arge Zumutung, dass von der "Sättigungsbeilage" statt der "Zuspeis" die Rede sei.
2) Katja Behling-Fischer: "Zu Tisch bei Freud"
Die Autorin unternehme den Versuch, das Kulinarische ins Historische hineinzubetten - und er gelinge ihr, befindet die Rezensentin, auf wohltuend sachliche Weise. Man erfährt, dass Freud der "böhmisch-österreichischen Küche" zugeneigt war und ein begeisterter Pilzesammler. Huhn und Blumenkohl habe er verabscheut. Interessant wird es auf dem Gebiet der kulinarischen Metapher, wenn etwa die Schichttorte zum Bild fürs Bewusstsein tauge. Schmal sei die Rezeptbeilage, aber wenn nicht für die Küche, so sei das Buch für den "coffee-table" hervorragend geeignet.
3) Kurt Palm: "Suppe Taube Spargel sehr sehr gut"
Kurt Palm zeichne Adalbert Stifters "Lebenstragödie" nach - und entdecke im Kulinarischen die Kehrseite zur Askese der Imagination, meint der Rezensent. Im wirklichen Leben habe den idealischen Gestalten seiner Texte ein Hang zur "Gourmandise", ja zum Alkoholismus gegenüber gestanden. Freilich erweise sich der großartige Dichter so auch als großartiger Esser. Wiener Würste etwa mussten per Post aus Frankfurt herbeigeschafft werden, diverse Hühnerarten spielten eine wichtige Rolle im Leben Adalbert Stifters. Das Bild des Dichters, das Kurt Palm zeichne, bleibe dabei stets "sympathetisch".

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