Was ist sexistisch an unserem Sex? Katja Lewina hat Bock, und sie schreibt darüber. Wäre sie ein Mann, wäre das kein Ding. So aber ist sie: "Schlampe", "Nutte", "Fotze", "Hoe" … Seit #metoo werden die Rufe nach der potenten Frau laut und lauter. Aber hat eine, die ihr sexuelles Potenzial jenseits von "stets glatt rasiert und gefügig" lebt, in unserer Gesellschaft tatsächlich einen Platz? Lewina führt die Debatte über weibliches Begehren fort und erforscht entlang ihrer eigenen erotischen Biografie, wie viel Sexismus in unserem Sex steckt. Kindliche Masturbation, Gynäkolog*innenbesuche, Porno-Vorlieben oder Fake-Orgasmen: Kein Thema ist ihr zu intim. Und nichts davon so individuell, wie wir gern glauben. Aber die Krusten unserer Sozialisation lassen sich abkratzen! Und so ist Sie hat Bock mehr Empowerment als Anprangern, mehr Anleitung zur Potenz als Opferdenke. Denn nach der Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten und Tabus ist es an der Zeit, den Weg zur Selbstermächtigung einzuschlagen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.03.2020
Die 1984 in Moskau geborene Journalistin und Mutter dreier Kinder Katja Lewina hat ein witziges, direkt ans Eingemachte gehendes über sexuelle Ungleichheit und weibliches Begehren geschrieben, freut sich Rezensentin Marlen Hobrack. Dass die Autorin dabei immer wieder gegen das Vorurteil anschreibt, Frauen seien entweder frigide oder Schlampen, findet Hobrack jedenfalls gut. Dass Lewina dabei aber so persönlich wird und immer wieder betont, wie sie Sex gern hat und wie gern sie Sex hat (sie will dabei nur ihre Bedürfnisse erfüllt wissen), gefällt Hobrack weniger. Sie wittert hier ein gewisses Anschmiegen an den patriarchalisch-sexistischen Mainstream, als müsse Lewina beweisen, dass sie nicht verklemmt ist. Muss sie nicht, versichert die Rezensentin.
Rezensentin Eva Biringer fand das "feministische Manifest" von Katja Lewina "herz- und geschlechtsteilerwärmend": In frechem, selbstironischem und niemals larmoyantem Ton erzählt die Autorin hier von eigenen Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen und Verunglimpfungen ihrer Vulva, in anderen Texten reflektiert sie die historische Entwicklung der Beschneidung der weiblichen Sexualität, erklärt die Kritikerin. Ihr Buch mündet laut Biringer schlüssig in das Plädoyer, die Monogamie zu entmystifizieren und die weibliche Lust zu entfesseln - für die Rezensentin eine Pflichtlektüre.
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