Als wäre es vorbei
Texte aus dem Krieg

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432341
Gebunden, 217 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Mit vielen Abbildungen und Fotos aus der Ukraine. Wie verändert der Krieg die Bilder? Wie verändert er das Sehen? Wie verändert er diejenigen, die ihm standhalten oder die ihm zuschauen? Mit ihren Fotokolumnen, die zwischen Februar 2022 und Herbst 2024 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen sind, hat Katja Petrowskaja absichtslos eine Chronik des Ukraine-Krieges geschrieben. Sie beginnt am Vorabend, mit einer Landschaft in Georgien, entlang der Großen Heerstraße. Tiere. Kriegsgefahr liegt in der Luft. Auf der nächsten Seite der Schrei: Mein Kiew! Die unfassbare Realität des Krieges, das Einbrechen des Ungeheuerlichen ins eigene Leben.Der Krieg verunsichert den Blick. Man sieht Bilder lächelnder Menschen und fragt sich unwillkürlich, ob sie noch leben. Ein Mann steht in einem Loch, mitten auf einer Straße, "als probiere er den möglichen Tod an, als wäre der Tod seine neue Kleidung". Ein bleiches, lachendes Mädchen, an eine ältere Frau geschmiegt. Aus der Geschichte hinter diesem Bild springt einen hinterrücks die Erkenntnis an, dass selbst das Unwahrscheinliche doch möglich ist - in dieser Zeit auch der Wunder.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2025
Tief beeindruckt beschreibt Rezensentin Kerstin Holm diese Sammlung von Bildbeschreibungen, die Katja Petrowskaja ursprünglich in der FAS publiziert hatte. Das geteilte Thema der - nicht von Petrowskaja selbst aufgenommenen - Bilder ist Russlands Krieg gegen die Ukraine, beziehungsweise die Folgen desselben für die Ukrainer, erfahren wir. Militärisches ist nur gelegentlich zu sehen, es dominieren, so Holm, Bilder von Zivilem und auch von Rettungsmaßnahmen, nicht zuletzt sehen wir eine Reihe von Menschen, die kurz nach der Aufnahme der Bilder Opfer russischer Bomben wurden. Oft haben die Aufnahmen, über die Petrowskaja schreibt, einen metaphorischen Mehrwert, meint Holm, die auf einige der Fotos näher eingeht, deren Detail ebenfalls beeindrucken, wie die "hellen Augen" eines Panzerschützen - das Bild der zerbombten Rechtsakademie Odessas, erinnert sie gar an die Gemälde Caspar David Friedrichs. Abschließend hebt Holm die ungeheure Arbeit hervor, die ukrainische Männer als Freiwillige leisten, etwa wenn sie gemeinsam Massengräber ausheben, um die Opfer der russischen Aggression zu identifizieren. Alles in allem scheint Holm diese starke Veröffentlichung durchaus mitgenommen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2025
In der Reihe der kleinen Ukraine-Bibliothek widmet sich Kritiker Christian Thomas Katja Petrowskajas gesammelten Kolumnen, die mit Bild und Text den Schrecken des Krieges verdeutlichen. Petrowskaja verzichtet darauf, die "Fratze der Täter" zu zeigen, auch die Grausamkeiten der russischen Soldaten werden nur selten explizit beschrieben oder gezeigt, diese Stellen sind dann aber umso schockierender. Die 44 Kolumnen zeigen ganz unterschiedliche Motive: lachende Mädchen ebenso wie den Kriegsschock eines jungen Mannes oder einen Luftschutzkeller in Charkiw, lesen wir. Der Horror des Krieges werde mal in künstlerischen Fotografien, mal in Schnappschüssen gebannt, Petrowskaja erzähle voll Schmerz von Putins Vernichtungen, von Folter, von den "täglichen Einschlägen", die der Westen "sehenden Auges" hinnehme. Die Autorin berichtet, mit unermüdlichem Willen, das Grauen des Krieges zu zeigen, aus Berlin, ihre Heimat Kiew hat sie schon vor dem Krieg verlassen, erklärt Thomas, der von dem anklagenden und aufrüttelnden Ton dieses Buches merklich berührt und beeindruckt ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025
Rezensent Nicolas Freund befindet, dass gerade genau der richtige Zeitpunkt für Katja Petrowskajas Kolumnen ist, die sie seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine in verschiedenen deutschen Zeitungen geschrieben hat. Augenblicks-Aufnahmen aus dem Alltag unter den russischen Bomben vereint die Autorin mit treffenden, pointierten Formulierungen. Manchmal haben die Fotos gar eine faszinierend-schreckliche Schönheit, befindet der Kritiker, aber Petrowskaja erzählt die Geschichten hinter den Fotos, zum Beispiel von einer Mutter und einer Tochter, die monatelang ihr Haus nicht verlassen konnten. Toll findet Freund Petrowskajas sprachliche Durchschlagskraft, wenn sie zum Beispiel den Einschlag einer Magnesiumbombe beschreibt: "Der Himmel leuchtet, danach brennt die Erde." Sie assoziiere zwischen Bildern von Otto Dix, den großen Fragen des Sterbens und schlage mit ihren klugen Gedanken "Breschen in den Wahnsinn" des Krieges.