Kerstin Decker

Franziska zu Reventlow

Eine Biografie
Cover: Franziska zu Reventlow
Berlin Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783827013620
Gebunden, 384 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Sie war der Stern der Münchner Boheme, Virtuosin der freien Liebe, Avantgardistin der Alleinerziehenden, Vorläuferin des modernen intellektuellen Prekariats und nicht zuletzt eine bis heute unterschätzte Schriftstellerin. Man hat in ihr die Urgroßmutter der sexuellen Revolution identifiziert, aber den Preis übersehen, den sie zahlte. Am 25. Juli 1918 stürzt Franziska zu Reventlow in Locarno vom Fahrrad. Nach einer Notoperation stirbt sie am frühen Morgen des 26. Juli 1918 an Herzversagen - 47 Jahre alt. Weil sie, obwohl ein Mädchen, kompromisslos "ich" sagte, wurde die junge Comtesse von ihrer Familie verstoßen und beinahe entmündigt. Die Vielliebende fand es verantwortungslos, an Männern, die ihr gefielen, vorüberzugehen. Sie streifte manchen intim, den man immer noch kennt, etwa Rainer Maria Rilke, Karl Wolfskehl oder Ludwig Klages. Zum ersten Mal wird die Biografie ihrer Lieben erzählt, denn auch Lieben sind Lebewesen: Sie werden geboren, reifen und sterben, aber nicht alle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2018

Rezensentin Ingvild Richardsen lernt Franziska zu Reventlow jenseits des Bildes der "gefallenen Gräfin" in Geld- und Liebesnöten kennen mit dieser, wie sie findet, großartigen Biografie von Kerstin Decker, die zu Reventlows hundertstem Todestag erscheint. Mit Sinn für Humor und Tragik erzähle Decker nicht nur von der bedingungslosen Freiheitssehnsucht und dem erheblichen Männerverschleiß der Gräfin - darunter Rainer Maria Rilke und Karl Wolfskehl, wie Richardsen informiert, sondern sie zeige zudem, was für ein Balanceakt Reventlows Leben oft war. Mit Interesse liest die Rezensentin darüber hinaus, wie Reventlow ihren Sohn Rolf vor dem wilhelminischen System und der Kirche bewahrte. Dass die Autorin außerdem auf Reventlows von anderen Biografen unterschlagenes Pamphlet gegen Frauenrechtlerinnen  - die sie als "sexuelle Zwischenformen" verunglimpfte - eingeht, findet die Kritikerin erfreulich. Einige Fehleinschätzungen zur Schwabinger Boheme findet Richardsen verzeihlich.

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