Schwester

Berlin Verlag, Berlin 2002
ISBN
9783827004857
Gebunden, 168 Seiten, 16,00
EUR
Klappentext
Die Schwester ist blond und hellhäutig, sie ist immer kränklich und beansprucht die Aufmerksamkeit der Mutter fast vollständig. Sie ist der erste und engste Spielkamerad, Miterfinderin und Mitbewohnerin wunderbarer Fantasiewelten. Sie ist eine hasserfüllte Gegnerin und begehrtes Objekt schwesterlicher Liebe, sie ist Verbündete und Rivalin. Die Krankheit treibt sie schließlich in eine immer größere Verletzbarkeit und Schwäche, die der Schwester gegenüber in Ablehnung, Kälte, Grausamkeit umschlägt. Die Entfremdung ist unüberwindbar. Als sie an einem Asthmaanfall stirbt, hinterlässt sie die Erzählerin in einem Zustand der Lähmung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
Ein Unbehagen verspürt Yvonne Gebauer nach Lektüre dieses stark autobiografisch gefärbten Buches, das den Tod der fünf Jahre älteren Schwester der Autorin beklagt und betrauert, einer Schwester, die stets kränklich war und deren Bild schon zu Lebzeiten verblasste, bis sie tatsächlich an einem Asthmaanfall starb. Die Autorin, berichtet Gebauer, habe zunächst versucht, das Buch in der dritten Person zu schreiben, was ihr nicht gelungen sei. Es scheint Gebauer, als habe von Waberer dann gleich alle Distanzierungsversuche aufgegeben. Die Verfasserin mache erst gar nicht mehr den Versuch, Autobiografisches zu verhüllen, zu umspielen oder zu verwandeln, wendet sie ein. Zwar sei der Text knapp und denkbar unsentimental, so Gebauer, doch stelle sich ihr zwangsläufig beim Lesen die Frage, "wo das Privatbekenntishafte aufhört und die Literatur beginnt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2002
Keto von Waberers neue Erzählung gestaltet ein "doppeltes Lebensdrama", weiß Rezensent Martin Krumbholz: das Drama zweier Schwestern, die sich einerseits brauchen, andererseits aber in einem zerstörerischen Konkurrenzverhältnis zueinander stehen, sei auch "das Drama ihrer unreifen Eltern", erklärt er. Die Erzählung thematisiert viele brennende Fragen, die sich aus dem Verhältnis der Schwestern ergeben. Als die schmerzlichste, die sich daraus ableitet, kristallisiert der Rezensent die Frage nach deren Bedeutung für das Leben der Autorin heraus, da es sich, wie er anmerkt, um eine autobiografische Erzählung handelt. Auch der mythologische Titel "Kain und Abel" würde hier passen, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2002
In ihrer Rezension zu Keto von Waberers Buch "Schwester" hebt Hannelore Schlaffer mehrere wichtige Punkte hervor: Die Geschichte dreht sich um die komplexe Beziehung zweier Schwestern, geprägt von Lachen und Weinen, Liebe und Hass. Schlaffer betont, dass die Erzählung keinen stringenten Handlungsverlauf hat, sondern sich aus Erinnerungsfragmenten und emotionalen Momenten zusammensetzt. Dabei vermischt sich die glückliche Kindheit auf einer Alm mit traurigen, beinahe banalen Ereignissen des Erwachsenenlebens. Schlaffer lobt die Autorin für ihre Fähigkeit, die Sprache der Erzählung an die emotionalen Zustände der Figuren anzupassen. Sie verweist auch darauf, dass das Buch an die Traditionen des deutschen Romans und der Erzählungen von Hermann Lenz erinnert, während es zugleich psychoanalytische Ansätze ironisierend umgeht. Insgesamt empfindet Schlaffer das Buch als eindringliche Gewissenserforschung, die Beklommenheit auslöst und die Leser bewegt.
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buecher.de
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 02.10.2002
Über das Niveau eines "Couch-Tagebuchs" ist dieses Protokoll der Beziehungen einer "normal gestörten Familie" nicht hinausgekommen, befindet Sacha Verna. Dass der Versuch, den Leser an der Aufarbeitung einer "Hassliebe zwischen zwei Schwestern" mit ähnlich "kathartischer Wirkung" wie für die Autorin teilhaben zu lassen, gründlich "missglückt" ist, liegt für Verna daran, dass die "Prosa weder brillant" noch die Sache selbst "originell" ist. Es ist der Autorin nicht gelungen, urteilt die Rezensentin, die Familientragödie in ein "interessantes Stück Literatur zu verwandeln".