Aus dem Englischen von Klaus Fritz und Anja Hansen-Schmidt. Die Entschlüsselung des menschlichen Codes ist gelungen. Kevin Davies beschreibt den rasanten Wettlauf zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Francis Collins, Leiter des Human Genome Project (HGP), ist Wissenschaftler des alten Schlags. Craig Venter dagegen verkörpert als Geschwindigkeitsfanatiker und Sportsegler den Geschäftsmann, der jenseits staatlicher Kontrolle die Bausteine des Lebens selbst auf den Markt bringt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2002
Die lange Vorgeschichte des Genomprojektes, das Bill Clinton im Juni 2000 feierlich der Weltöffentlichkeit präsentierte, ist das Thema von "Die Sequenz" von Kevin Davies. Der Autor erhebe den Wettlauf der Forscher um die Entschlüsselung der menschlichen DAN zur Leitmetapher und habe "lehrreiche Genetik-Grundkurse" eingebaut, meint Rezensent Arno Orzessek. Er stellt allerdings erleichtert fest, dass bei Davies, dem ehemaligen Redakteur des einflussreichen Magazins "Nature" und Herausgeber der "Current Biology", auch die negativen Seiten des Genom-Projekts zur Sprache kommen. Der Autor glänze mit einem breiten Wissen über Genetik, Wissenschaftsgeschichte, Sequenzierungstechnik, Institutionenkrimis und die Streitlust berühmter Männer. Herausgekommen sei ein Wissenschafts-Musical mit zahlreichen Anekdoten, das den Leser recht gut unterhalte. Verglichen mit anderen Veröffentlichungen zu diesem Thema spiele Kevin Davies deutlich eine Klasse höher, so der Rezensent. Auch wenn ihm die alteuropäische Ethik weniger am Herzen liege, so zeige er sich doch empfänglich für die unheimlichen und riskanten Seiten wissenschaftlichen Fortschritts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.11.2001
Ken Davies "Sequenz" stellt nach Ansicht von Rezensent Hans-Jürgen Heinrichs eine gute Einführung in die Geschichte der Entzifferung des menschlichen Genoms dar, auch wenn Davies Wunsch, eine neue Auffassung vom Leben, von Gesundheit und Krankheit zu etablieren, nicht auf seine ungeteilte Zustimmung trifft. Die Form, die Davies dabei für seine Ausführungen wählt, das Sachbuch als "Wissenschaftskrimi", begeistert unseren Rezensenten allerdings nicht wirklich. Zu pathetisch erscheint ihm auch das Motto ("Die zweite Halbzeit der Menschheit hat begonnen"), unter das Davies seine Rekonstruktion des Machtkampfes zwischen dem Leiter des staatlich subventionierten Human Genome Project Francis Collins und seinem privaten Gegenspieler Craig Venter stellt. Heinrichs eigentliche Kritik ist indes grundsätzlicherer Art: Sie betrifft den blinden Fortschrittsglauben der Genetik und ihre weitgehende Ignoranz gegenüber einer komplexeren Sicht "menschlicher Existenz und Kultur, wie sie sich in den Humanwissenschaften herausgebildet hat und wie sie in der gerade erst sich neu etablierenden Kooperation von naturwissenschaftlicher und so genannter alternativer Medizin ihren Niederschlag gefunden hat."
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…