Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Sind die Grönländer untreu? Die Bewohner des kleinen Dorfes am östlichen Rand von Grönland, in das es den Kopenhagener Jesper verschlägt, sind jedenfalls keine Kinder von Traurigkeit: Sie feiern und genießen, lieben und betrügen einander und zeigen sich wenig beeindruckt von dem ewigen Kreislauf aus Fortpflanzung, Geburt und Tod. Während des Jahres, in dem Jesper die örtliche Krankenstation leitet, erlebt er mit den Dorfbewohnern so schöne und schaurige Geschichten, wie er sie sich nicht hätte träumen lassen. Er sieht sich vor Aufgaben gestellt, auf die er nicht vorbereitet war, wird von seinen Patienten gezwungen, zu operieren oder Zähne zu ziehen. So lernt Jesper den Eigensinn, aber auch den Humor und die Gelassenheit der Grönländer kennen - und das Selbstbewusstsein der Frauen, die nicht nur beim Fußball oder beim Poker den Ton angeben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2011
So geht's zu auf Grönland. Da liegen Hunde steif gefroren im Morgengrauen, Menschen erschlagen einander im Rausch oder sterben fast an Zahnextraktion. So gefährlich das Leben in Grönland offenbar ist, so angenehm ist Also Keel die Lektüre dieses Romans von Kim Leine, Ex-Krankenpfleger ebenda und mit einer gehörigen Portion Sympathie für seine Leute, einem genauen Blick und Humor ausgestattet, wie Keel feststellt. Die Geschichte, soviel verrät der Rezensent, ist hahnebüchen, so extrem wie Land und Leute.
Gut, der deutsche Titel ist einfach "beknackt", meint Rezensentin Kristina Rath. Davon sollte man sich aber bitte nicht abschrecken lassen, denn Kim Leines Debütroman "Die Untreue der Grönländer" hat einiges zu bieten, so Rath: "Trunksucht, Glücksspiel, Robbenjagd, Bären im Keller und Sex mit so ziemlich jedem außer dem eigenen Partner": all das erlebt Krankenpfleger Jesper, der von Kopenhagen für ein Jahr in die Krankenstation einer grönländischen Siedlung versetzt wird. Mit "nüchternem" Blick erzähle Leine hier von dem ganz normalen Leben, dem Versuch der Menschen, ihr in die Welt geworfenes Dasein irgendwie zu bestreiten. Für die Kritikerin gilt: "Jeder von uns hat sein eigenes Grönland." Dass der Autor dabei seine in Überforderung und Selbstzweifel ergehenden Charaktere nicht zu beklagenswerten Opfern macht, sondern vielmehr auf pointierte Situationskomik setzt, hat der Rezensentin besonders gut gefallen.
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