Der Königsspiegel

Fahrten und Leben der alten Norweger, aufgezeichnet im 13. Jahrhundert
Cover: Der Königsspiegel
Die Andere Bibliothek, Berlin 2019
ISBN 9783847704171
Gebunden, 444 Seiten, 44,00 EUR

Klappentext

Aus dem Altnorwegischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Rudolf Meissner, Einleitung von Sverre Bagge, übersetzt aus dem Norwegischen von Thomas Esser, illustriert mit Holzschnitten aus dem 16. Jahrhundert. Die "Konungs skuggsjá" (Der Königsspiegel) ist ein in Norwegen kanonisches Buch, dessen Handschrift um 1250 entstand. Mit faszinierender Weltaufgeschlossenheit vermittelt es die frühesten europäischen Kenntnisse über den nördlichen Atlantik, über Skandinavien, Irland, Island und Grönland, spricht von den Tücken der Seefahrt, berichtet vom Einfluss der Gestirne und Winde auf die Meeresströmungen ebenso wie von Seeungeheuern und Walen, Robben und vom Nordlicht. Der Leser erfährt - dreihundert Jahre vor Kolumbus' Entdeckungsreise - von den verlockenden Küsten jenseits des Ozeans und erhält Einblick in das Leben aller Stände und in die Berufe der Kaufleute und Seefahrer im Auftrag des norwegischen Königs.
Dieses Erziehungsbuch der nordisch-höfischen Gefolgschaft, das auch vom Leben der königlichen Gesellschaft spricht und das Ideal des gerechten Herrschers entwirft, ist eine Welterkundung in poetischer Sprache. Der anonyme norwegische Verfasser schöpft in farbenreichen Bildern aus dem Fundus morgen- und abendländischer Geschichten. Aus Parabeln der Evangelien und Episoden des Alten Testaments wird eine Erzählung von der Welt und vom Menschen gesponnen, die sich dem Leser als Gespräch zwischen fragendem Sohn und lehrendem Vater darbietet. Von der Anlehnung an die Form des platonischen Dialogs bis zu den Auftritten des lachenden Sommers, des finsteren Winters und der bald in Freundschaft, bald in Zwietracht miteinander verbundenen acht Winde reicht das stilistische Repertoire. Im "Königsspiegel" begegnet uns eine Phantasie, der das gesamte Zeitalter "nichts auch nur ähnliches an die Seite stellen kann" (Rudolf Meißner in seinem Nachwort).
Der Autor des "Königsspiegels" blieb aus Furcht vor "Hohn oder Neid oder irgendwelcher Feindschaft", wie er im Vorwort selbst erklärt, anonym. Die Forschung vermutet einen gelehrten Adligen oder Geistlichen vom Hof des norwegischen Königs Håkon Håkonsson, der seineKenntnisse nicht nur aus dem Schriftstudium, sondern auch während eigener Reisen gewonnen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2020

Rezensent Tilman Spreckelsen empfiehlt die Lektüre eines besonderen Werks. Der um 1250 in Norwegen entstandene Königsspiegel erscheint ihm wie eine Flaschenpost, die uns den Wissenshorizont der damaligen Zeit erschließt. Die Form, die darin besteht, dass ein Sohn seinen Vater über die Beschaffenheit der Welt ausfragt, scheint Spreckelsen reizvoll. Über das menschliche Miteinander, Natur und Gesellschaft erfährt der Leser via den wissbegierigen Frager in sachlicher, wenngleich oft bloß mit Überlegungen hantierender Weise, erläutert Spreckelsen. Bezaubernd erscheint dem Rezensenten das sich auftuende Spannungsfeld zwischen der väterlichen Botschaft und der Neugier des Sohnes auf das verlockende Fremde.

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