Berlioz' große, 1856-58 geschriebene fünfaktige Oper "Les Troyens" (Die Trojaner), ein Hauptwerk des 19. Jahrhunderts, das sich mit Wagners "Ring des Nibelungen" messen kann, hat lange auf ihre Entdeckung warten müssen. In den letzten zehn Jahren nun konnte man (nach der Pioniertat von Colin Davis an Covent Garden vom Ende der sechziger Jahre) eine triumphale Kette von Aufführungen erleben: in Salzburg, Amsterdam, Paris, Leipzig, Mannheim, Düsseldorf, Genf, Stuttgart, St. Petersburg, Valencia, Berlin usw. Ein monografischer Versuch über dieses vielschichtige Werk männlichen Wahns, weiblicher Schicksalsgröße und kindlicher Schutzlosigkeit ist aber seit Ian Kemps Sammelband von 1988 nicht mehr unternommen worden. Das Buch rekonstruiert die "Bildungsgeschichte" des enthusiastischen Vergil-Lesers Berlioz, der seinen Stoff den Büchern 1, 2 und 4 der "Aeneis" entnahm, aber zugleich Vergils ganzes Epos ständig im Blick hatte - er kannte es par coeur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2011
Musikalisch gegen den Strom seiner Zeit wendet sich Berlioz mit seiner Oper "Les Toyens" laut Jan Brachmann, indem er der Säkularisierung die Stirn bietet, mythologisch-monumental. Schade, schade, meint Brachmann, leider scheut der Autor solche Thesen und versenkt sich lieber ins Detail, wenn er etwa in den Klarinettensoli die Empathie singen hört. Allerdings staunt da der Rezensent auch, dass sich zwischen all der Wucht und den vermeintlich machtpolitischen Momenten bei Berlioz tatsächlich so etwas wie Mitleid verbirgt. Klaus Heinrich Kohrs zeigt es ihm. Mitunter macht er das etwas zu selbstverliebt bildungssprachlich und voraussetzungsreich, findet Brachmann. Das reiche Material des Bandes entschädigt ihn allerdings.
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