Über Jahrhunderte schickten die Sultane ihr Heer nach Europa. Sie machten dem Oströmischen Reich 1453 durch die Eroberung Konstantinopels ein Ende und blieben danach bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Balkan präsent. Doch das lag nicht, wie so oft behauptet, am stetigen Imperativ des Heiligen Krieges. Klaus-Jürgen Bremm zeigt mit seinem Buch, dass die Kriege vielmehr aus Gründen der Staatsräson und der Expansion geführt wurden. Er analysiert die Bündnisse der europäischen Mächte mit den Herrschern am Bosporus und stellt zudem die damals in Europa vorherrschenden 'Türkenbilder' in allen Einzelheiten dar. Das Osmanische Reich - ein elementarer Teil der Geschichte Europas bis zum Ersten Weltkrieg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2021
Als Nachschlagewerk in Sachen Europa und das Osmanische Reich taugt dem Rezensenten Andreas Kilb das Buch von Klaus-Jürgen Bremm durchaus. Als ernsthafte geschichtliche Analyse und realhistorischer Überblick mit militärischer Perspektive findet Kilb den Band kritikwürdig. Das liegt daran, dass der Autor sich laut Kilb vor allem auf Belagerungen, Verträge und Feldzüge bezieht und beim Leser einiges an Vorkenntnissen voraussetzt, ohne selbst neue Erkenntnisse zu bieten. Kilb ahnt, dass sich der Autor übernimmt, wenn er die Beziehung zwischen Istanbul und Europa über fünf Jahrhunderte verfolgen möchte. Ferner passt der Mix aus Monografie und Strukturgeschichte nicht recht zusammen, findet der Rezensent. Das ständige Hin-und-her zwischen den Kriegsschauplätzen lässt dem Autor die "Pointe des Konflikts" entgleiten, bedauert Kilb.
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