Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2002
Klaus Rainer Röhl, der in den sechziger Jahren mit seiner damaligen Ehefrau Ulrike Meinhof wesentlich die Zeitschrift "konkret" geprägt hatte, hat eine politische Kehrtwende vollzogen, berichtet Jochen Staadt. Beschwerte sich Röhl damals über die "Rechten", so klagt er heute und in seinem neuen Buch über die "Linken". Einst "gehässig verspotteten Vertriebenen-Omas" spende Röhl heute sein Mitgefühl, mit massiver Polemik gehe er gegen alle "Gutmenschen" von Johannes Rau bis Lea Rosh vor und behaupte, die Linken hätten den Deutschen ein "Trauerverbot" über das Gedenken der eigenen Opfer von Krieg und Vertreibung auferlegt. Weder sieht Staadt aber ein Trauerverbot, noch den im Untertitel angekündigten "Tabubruch" gegeben. Was dieser Band verdeutliche, seien vielmehr Röhls "agitatorische Maßlosigkeit" und seine "rechthaberische Marktschreierei", die ihn schon immer charakterisiert habe. Seine "steilen Thesen" und die Wiederauflage von althergebrachten Verschwörungstheorien bewirkten, schimpft der Rezensent, genau das Gegenteil von dem, was der Autor beabsichtige. Außerdem sei es "bedrückend", wie der Autor die Leidensgeschichte der Vertreibung für seine eigenen Ansichten missbrauche, ärgert sich der Rezensent.
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