Himmelserscheinungen, Kinder mit drei Köpfen und Eisenbahnkatastrophen. Seit ihrem Entstehen bringen Zeitungen Sensationelles im Großen und im Kleinen: Kleine Chronik, Miscellaneous, Faits Divers. Anhand dieses oft bizarren, oft tragikomischen Genres erzählt Klaus Zeyringer die Entwicklung der Presse in Europa und Amerika. Seine gewitzten Streifzüge durch vier Jahrhunderte bringen vergnüglich lesbare Kultureinblicke: Wie der Papst Windeln segnet, ein Mönch das Fegefeuer testet, die Französische Revolution ein Dinner stört, der Wilde Westen auf Titelseiten kommt, und wie heute die Kürze digital floriert. Die Genies der Erzählung in drei Zeilen sind Kleist, Fénéon und Karl Kraus; dazu treten Diderot, Bettina von Arnim, James Joyce auf. Und auf der kleinen Pressebühne Räuber und Propheten, lebend Begrabene und Reiter ohne Kopf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.01.2023
Wer nicht mehr weiß, was das eigentlich ist, eine "Vermischte Meldung", der soll laut Hermann Unterstöger gern Klaus Zeyringers Kompendium lesen. Der Autor gräbt nicht nur allerhand Historisches aus Zeitungsarchiven aus, er untersucht die kleinen Stücke auch als verdichtete Sprachkunst und fingiert sogar ein Gespräch zwischen Diderot, Hume und einem Baron, um dieser verlorenen Kunst nachzutrauern und die vergleichsweise Humorlosigkeit der heutigen Presse zu beklagen. Die vielleicht treffendste Definition der Vermischten Meldung hier in diesem Buch: eine närrische Art der Welterfindung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2022
Die Rubrik der Vermischten Meldungen hat ihre Zeit hinter sich, seufzt Rezensent Wolfgang Krischke, das Internet bedient den Boulevard zwar in Unmengen, aber weil es zum Immergleichen neige, fehle ihm das Überraschende. Dafür greift Krischke gern zu Klaus Zeyringers Geschichte der Presse. Der Germanist erkundet die Medien anhand der faits divers seit der Frühen Neuzeit, er sammelt Skurriles, Kurioses und Schrilles - "erschröckliche Geschichten über Blutregen, siebenköpfige Knaben und den Teufel. der sich in Itzeho leibhaftig sehen last" - und zeigt, wie Literaten sich von diesen Geschichten inspirieren ließen (Fontane, Doderer, Joyce) oder sie gar selbst schrieben (Kleist, Fénéon). Ein bisschen wohlfeil findet Krischke mitunter Zeyringers Süffisanz und den Hang zum Anekdotischen. Aber immer wenn sich der Germanist auf stilistische und inhaltliche Analysen verlegt, ist das Buch stark.
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