Andreas Platthaus

Das geht ins Auge

Geschichten der Karikatur
Cover: Das geht ins Auge
Die Andere Bibliothek, Berlin 2016
ISBN 9783847703815
Gebunden, 480 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Anhand von rund 50 Karikaturen aus zweitausend Jahren erzählt Andreas Platthaus die ästhetische und vor allem politische Entwicklung dieser Kunstform. Dabei stellt er den Kampf zwischen religiösen Überzeugungen und aufklärerischem Impetus der Karikaturisten als Leitmotiv einer dramatischen Erzählung heraus, die wir mit dem terroristischen Überfall auf die Redaktion von "Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 auf ihren traurigen Höhepunkt geführt sehen. Aber bereits eine der frühesten bekannten Karikaturen aus kaiserlich-römischer Zeit beschäftigte sich mit dem Thema der Religion und verspottete das Christentum. Verbunden mit der Einzelanalyse der jeweiligen Zeichnungen wird eine Geschichte ihres Mediums, der Presse, erzählt. Und das nicht nur hinsichtlich der großen Kulturen der politischen Karikatur, als da wären Großbritannien, Frankreich und Deutschland, sondern auch mit Seitenblicken auf Länder wie Indien und Japan. Der Schwerpunkt der Auswahl liegt jedoch auf den europäischen Klassikern, und der deutschen Herkunft des Verfassers wegen dabei noch einmal speziell auf Deutschland. Hier werden deutsche Befindlichkeiten in Zerrbildern der Zeichner aufgespürt: von den Anfängen in den Befreiungskriegen über die Karikaturen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, aber auch NS-Deutschlands, bis zu denen der Bundesrepublik und der DDR. Zu den ausgewählten Künstlern zählen unter anderem Lyonel Feininger, Thomas Theodor Heine, Karl Arnold, Erich Ohser alias e.o. plauen, Loriot, Friedrich Karl Waechter oder Greser und Lenz. Aber es sind auch Hogarth, Gilray, Rowlandson, Daumier, Tenniel, Charles Addams, Sempé, Bosc, Tomi Ungerer oder Art Spiegelman vertreten, und natürlich die umstrittenen Mohammed-Karikaturen von Kurt Westergaard oder den Zeichnern von "Charlie Hebdo". Mit Marie Marcks, Claire Bretécher oder Franziska Becker kommen auch die weiblichen Künstler zu ihrem Recht, denn zum Grundverständnis der Karikatur als aufklärerischer Kunst gehört auch die Emanzipation. Jede Einzelbetrachtung eines Blattes ist als selbständiger kleiner Essay zu lesen, aber erst in der Gesamtschau wird aus den Geschichten der Karikatur eine Gesamtgeschichte dieser Gattung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2016

Den Spaß am Erzählen merkt man Andreas Platthaus in seinem Band über Karikaturen und ihre Zeichner allemal an, meint Rezensent Fritz Göttler. Besonders am Anfang des Buches gibt er den fantasievollen Geschichten,so Platthaus, über die Bilder, ihre Entstehungsgeschichte und ihren Kontext den Raum, den sie benötigen, um den Begriff der Karikatur für den Leser fassbar werden zu lassen, doch gegen Ende wird die zarte Linie des Buches unter der Fülle des Materials überschwemmt. Auch gegen bestimmte Feinheiten, die über die bloße Bedeutung eines Bildes, über seine direkte Intention hinausgehen, hätte sich der Rezensent etwas mehr Sensibilität gewünscht. Dass Göttler das Buch trotz dieser Einwände empfehlen kann, ist seiner Rezension anzumerken.

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