Alle reden von Bildung. Sie wurde zu einer säkularen Heilslehre für die Lösung aller Probleme - von der Bekämpfung der Armut bis zur Integration von Migranten, vom Klimawandel bis zum Kampf gegen den Terror. Während aber "Bildung" als Schlagwort in unserer Gesellschaft omnipräsent geworden ist, ist der Gebildete, ja jeder ernsthafte Bildungsanspruch zur Provokation geworden. Die Gründe dafür nennt Konrad Paul Liessmann in seinem neuen Buch. Dafür begibt er sich sowohl in die Niederungen der Parteienlandschaft als auch in die Untiefen der sozialen Netzwerke, er denkt über den moralischen Diskurs des Zeitgeists nach und darüber, warum es so unangenehm ist, gebildeten Menschen zu begegnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.11.2017
Andrea Gnam wird den schalen Geschmack nicht los bei der Lektüre von Konrad Paul Liessmanns "schnoddriger" Litanei über den Verfall der Bildungsinstitutionen. So treffsicher der Autor die Misere der Hochschulen beklagt, so offensichtlich scheint Gnam das Problem. Ob früher aber tatsächlich alles besser war, wie der Autor die Leserin glauben machen will, möchte Gnam bezweifeln. Sie erinnert nur an das militaristische Weltbild der alten Pädagogik und an die ökonomische Seite der Bildungsvergangenheit, die häufig auf dem Kolonialismus fußte, wie die Rezensentin erklärt.
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