Herausgegeben von Paul Sigel und Bruno Klein. Rekonstruktionen zerstörter historischer Bausubstanz und kontroverse Debatten über die Relevanz verschiedener stadthistorischer Schichten für den Städtebau der Gegenwart kennzeichnen eine andauernde Auseinandersetzung um die Frage nach ortsspezifischen Identitäten und dem "genius loci". Renommierte Autoren aus Kunstgeschichte, Architektur, Denkmalpflege und Soziologie beziehen Position und betrachten die vielfältigen Motive, Formen und Qualitäten zitierenden Bauens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2007
Ein wenig mehr Kritik am städtebaulichen Kulissenschwindel hätte sich Jürgen Tietz von diesem Sammelband gewünscht. Lesenswert erscheinen ihm die von Paul Sigel und Bruno Klein zusammengetragenen Texte aber allemal. Ob es um den zweifelhaften Dresdner Historismus geht oder um die in einem Beitrag "drastisch" geschilderte Rekonstruktion der Burg in Vilnius - den Nachweis verkürzter Sichtweisen auf die architektonische Moderne scheint ihm der Band zu erbringen. Auf die drohende Ununterscheidbarkeit von Imitation und Denkmalbestand, findet der Rezensent jedoch, darf ruhig ein bisschen öfter hingewiesen werden.
Judith Hermann: Ich möchte zurückgehen in der Zeit Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Svenja Leiber: Nelka Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden…