Umut ist anders als andere türkische Jungs, er ist sanft, verträumt und Weihnachtsjunkie. Sehr zum Ärger seines Vaters, der seit Jahren regelmäßig die Moschee besucht. Dort hört er immer wieder, man solle sich von sündhaften christlichen Festen fernhalten. Früher, in den ersten Jahren ihrer Ehe, hat seine Frau noch einen Plastikbaum aufgestellt so wie sie es aus der Türkei gewohnt war. Doch diese Unsitte hat ihr Mann inzwischen abgeschafft. Es darf nichts Weihnachtliches mehr in die Wohnung. Bei den Nachbarn findet Umut das, was ihm zu Hause verwehrt ist: Plätzchenbacken, Kerzenduft, Weihnachtsmarktbesuche, Tannenbaumglanz. Als ihn sein Vater in flagranti überrascht, kommt es zum Eklat. Ein muslimisches Weihnachtswunder tut not.
Hingerissen ist Ingo Arend von Lale Akgüns Erzählung "Kebab-Weihnacht". Wie es der 17-jähirige türkische Umut, dessen Weihnachtsbegeisterung bei seinem konservativen Vater auf erbitterte Ablehnung stößt, am Ende doch noch schafft, Weihnachten zu feiern, findet er herrlich. Eine pädagogische Absicht hat das Buch seines Erachtens zwar auch - schließlich geht es um die Sehnsucht, ganz normal dazuzugehören. Angesichts der Wärme und der Leichtigkeit aber, mit der Akgün erzählt, fällt dies für ihn nicht negativ ins Gewicht. Zudem attestiert er der Autorin, die Islambeauftragte der SPD war, ihre Figuren psychologisch differenziert und mit viel Empathie zu zeichnen.
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