Lars Gustafsson

Dr. Weiss' letzter Auftrag

Roman
Cover: Dr. Weiss' letzter Auftrag
Wallstein Verlag, Göttingen 2020
ISBN 9783835336049
Gebunden, 146 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Dr. Weiss, der Protagonist in Lars Gustafssons letztem Roman, erlebt eine atemberaubende Reise durch Raum und Zeit.Mit seinem Auftrag, eine mythische Eisenkrone aufzuspüren, die als Intelligenzverstärker dient und seit dem Mittelalter verschollen ist, verlässt er die lineare Zeitstruktur und befindet sich an Orten, die sowohl in der Zukunft als auch in der Vergangenheit liegen können. So gerät er etwa in einem Hilbertraum in Gefangenschaft, von der er nicht weiß, ob sie mehrere Jahre oder nur wenige Minuten angedauert hat, oder trifft in einer wüstenähnlichen Landschaft auf Zwergenwesen, die sich in mit Propellern ausgestatteten Schiffen fortbewegen. Seine Reise führt ihn dabei auch in verschlossene Landschaften, die nur durch Schamanen geöffnet werden können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2020

Franz Haas vermisst ein wenig die "eloquente Ironie" und das "raffinierte Erzählen" von Lars Gustafsson in diesem aus dem Nachlass erscheinenden Roman. Etwas schwer verständlich nimmt der Autor hier noch einmal seine Lebensthemen Philosophie, Musik und Mathematik auf, meint Haas, kreiert schöne Sinnbilder und Allegorien. Gustafssons eher "dürre" Sprache in diesem Spätwerk lässt Haas allerdings fast verhungern. Der Rezensent sehnt sich nach früheren Werken, wie "Die Sache mit dem Hund" oder "Frau Sorgedahls schöne weisse Arme".

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.05.2020

Rezensentin Carola Wiemers entdeckt etwas Tröstliches in der Unabgeschlossenheit von Lars Gustafssons letztem Romanprojekt. Die kreative, melancholische Lust des Autors an Differenzen und Dissonanzen, am Riss durch die Welt leuchtet für sie darin noch einmal auf. Das "atemberaubende Spiel" mit Zeit und Raum, mit dem der Autor der menschlichen Existenz noch einmal auf den Grund zu gehen versucht, indem er eine Überschreiter-Figur auf die Suche nach einer sagenhaften mittelalterlichen Eisenkrone schickt, zieht Wiemers in seinen Bann. Nicht zuletzt auch deshalb, weil bei Gustafsson die Sprache "selbst eine Handlung" darstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2020

Rezensent Jochen Schimmang hat Zweifel, ob dieser Text aus dem Nachlass des vor vier Jahren verstorbenen schwedischen Autors Lars Gustafsson überhaupt ein Fragment ist. Denn Gustafsson schätzte die offene Form mit essayistischen Passagen, fährt der Kritiker fort - und daran hat sich auch in diesem Roman nichts geändert. So lässt er sich einmal mehr gern ein auf das Spiel mit Bruchstücken, die er während der Lektüre zusammensetzen muss. Erzählt wird die Geschichte des titelgebenden Dr. Weiss, der von einem Ordensmeister den Auftrag erhält, eine Eisenkrone zu finden, die als "Intelligenzverstärker" wirken soll. Bei seiner Reise trifft Gustafssons Held auf allerhand Fabelwesen, die den Kritiker an Tolkien erinnern. Mehr noch: Wenn der Autor mit Zeiten und Räumen jongliert und unsere Vorstellungen und Gewissheiten auf den Kopf stellt, muss Schimmang mitunter an Umberto Eco denken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2020

Rezensentin Judith von Sternburg findet, dass der fragmentarische Charakter dieses bruchstückhaften Science-Fiction-Romans aus dem Nachlass Lars Gustaffsons perfekt zu der Geschichte passt. Dr. Weiss reist hier mit einem rätselhaften Auftrag für eine umso rätselhaftere, pseudoreligiöse Macht durch die Zeit, erzählt sie. Dass der Roman unvollendet bleibt, unterstreicht ihrer Meinung nach seine grandiose Bizarrerie: Wie der rätselhafte Doktor durch den "Faltenwurf der Zeit" springt, wandelt der Autor durch die Zeit der Erzählung und die Leser*innen können sich weder über die Ereignisse noch ihre zeitliche Abfolge je ganz sicher sein, schmunzelt die Kritikerin. "Eine veritable fantastische Geschichte", jubelt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.02.2020

Rezensent Jörg Magenau spürt dem Spaß nach, den Lars Gustafsson beim Verfassen dieses zwischen Tolkien und Michael Ende changierenden Textes wohl gehabt hat. Der nachgelassene Roman befasst sich laut Magenau mit und führt zugleich aus: Die Gleichzeitigkeit von allem, die Relativität der Zeit. Dass der Roman weder Anfang noch Ende hat, kommt seiner Unabgeschlossenheit zugute, findet der Rezensent, den zwar mitunter Schwindel erfasst, wenn Gustafsson ihm sein "Gedankenlabyrinth" öffnet, Traum, Wirklichkeit, Mythos, Märchen, Eiszeit, Mittelalter und 20er Jahre miteinander kurzschließt und Einstein und Luftschiffe auftreten lässt, der sich aber gleichwohl gut unterhalten hat mit dem Buch.