Laszlo Marton führt den Leser in das Städtchen Guben in der Niederlausitz, das sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu einem Handelszentrum entwickelt hat. Mit einem scheinbar willkürlichen Zwischenfall, nämlich den Schwierigkeiten der Gubener Winzer, ihre Weinfässer wie gewohnt in der Markthalle zwischenzulagern, setzt am zweiten Samstag nach Allerheiligen des Jahres 1603 die unheilvolle Geschichte des Jacob Wunschwitz ein. Unversehens wird der stille Familienvater zum Spielball weltlicher und geistlicher Mächte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2000
Wie kommt ein junger ungarischer Autor, Jahrgang 1959, auf die Idee, sich
der Lokalgeschichte des Niederlausitzer Städtchens Guben anzunehmen, fragt
sich Dorothea Trottenberg. Zumal ihr Mártons Roman über das frühe 17.
Jahrhundert mit historischen Details, Ereignissen und Personen geradezu
überfrachtet scheint. Trottenberg findet in Mártons opulentem historischen
Bilderbogen keine überzeugende Antwort. Zwar wird das Geschehen um den
Tuchfärber von Wunschwitz, der zwischen aufgebrachten Bürgern und
willkürlichem Landesherrn vermitteln soll und dabei zwischen die Räder der
Geschichte gerät, elegant und "stilsicher" erzählt (was im übrigen auch für
die Übersetzung gelte), zugleich verwickelt sich der Autor aber in immer
wieder neue Nebenhandlungen und "Erzählschleifen", die Trottenberg als
lästige und überflüssige Ablenkung empfindet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Hans-Jürgen Schmitt möchte nichts wirklich Schlechtes über Lászlo Mártons Roman sagen. Dafür schätzt er den literarischen Kosmopolitismus des ungarischen Kleist-Übersetzers Márton zu sehr, der sich in Stil und Inhalt seines Romans stark an die Kohlhaas-Novelle anlehnt. Wobei Márton seine Geschichte über die Rechtlosigkeit des Einzelnen gegenüber der Willkür in der deutschen Kleinstadt Guben spielen lässt. So misst Schmitt den Roman an Mártons eigenem Maßstab - an Kleist. Während bei diesem Dramatik in der Verbindung von Historie und individuellen Figuren entstehe, liefere Márton ein "allzu breit angelegtes Sittengemälde`` mit einer ganzen Anzahl von barocken Volten. So wird der Protagonist Wunschwitz, wie Schmitt verhalten stöhnt, erst nach 62 Seiten eingeführt, auf denen der Leser erst einmal alles über Geschichte, Zölle, Steuern und Stadtrecht zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfahren muss.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Voll des Lobes äussert sich Ernest Wichner in einer sehr umfangreichen Rezension über den neuen Roman László Mártons. Besonders Mártons souveränen Umgang mit der sehr vielschichtigen Konstruktion dieses Romans hebt er hervor: Da wimmele es von Querverbindungen, Seitensträngen, Abschweifungen und Verwicklungen, die Márton in Wichners Augen aber klug und mit der "hierarchisierenden Kraft der Sprache" im Griff hat. Eine besondere Funktion spiele eine Metaebene, in der der Erzähler Kommentare zu der erzählten Geschichte abgebe oder philosophischen Überlegungen nachgehe.
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