Aus dem Amerikanischen übersetzt, herausgegeben, bearbeitet und mit einer Einleitung versehen von Wolfgang Althof und Detlef Garz. Kohlberg folgt hier der Idee, den Menschen auf seinen verschiedenen Entwicklungsstufen als "Philosophen" zu sehen: Philosoph zu sein bedeutet, sich mit der sozialen und physischen Welt zu konfrontieren, sie zu konstruieren und sich in dieser Auseinandersetzung zu entwickeln. Dabei wird "Entwicklung" - anders als im übrigen Werk Kohlbergs - nicht auf den Bereich der Moral eingegrenzt, sondern in einem umfassenderen Sinn verstanden. Die Bildung des Selbst, verbunden mit den jeweiligen altersspezifischen Problemen und Krisen, steht darum im Mittelpunkt der Untersuchungen: die Überwindung des kindlichen Egozentrismus; die Identitätsbildung in der Adoleszenz; die schwierige Herausforderung des Relativismus im frühen Erwachsenenalter; Sinnfindung und Sinnstiftung des reifen Erwachsenen, schließlich die Frage nach dem Sinn des Lebens beim Älterwerdenden. Diese Etappen werden entwicklungspsychologisch systematisiert und im Zusammenhang zentraler Bezugstheorien von Erikson, Piaget, Marcia, Gilligan, Perry und Fowler reflektiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2000
Wolfgang Kersting lässt diesem nachgelassenen Buch wie der Philosophie und Moralpsychologie Lawrence Kohlbergs einen Verriss angedeihen, der im Ton freundlich scheint, letztlich aber recht herablassend daherkommt. Dadurch, dass Kohlberg mit Kant die höchste erreichbare Stufe moralischer Reflexion erreicht glaubt, erweise er sich letztlich als Hegelianer, und zwar in der dünnen Gegenwartsversion, er sei "der Fukuyama der Moralentwicklungstheorie". Um diese geht es, so Kersting, auch in diesen Schriften, darüber hinaus aber auch um eine "Theorie der Ich- und Identitätsentwicklung", die Kersting boshaft so zusammenfasst: "Man macht sich halt seine Gedanken; und nicht immer dieselben, sondern in unterschiedlichen Lebensspannen verschiedene". Er weist darauf hin, dass Kohlberg vielfach auf Piaget, Erikson, Perry, Fowler und andere Entwicklungspsychologen zurückgreift und das Selbstmißverständis aller Evolutionstheorien teilt. Diese seien, anders als es ihnen selbst scheine, keineswegs empirisch orientiert, sondern gerade im Gegenteil aufgrund einer vorgefassten Meinung über den kommenden Verlauf geradezu empirieresistent. Einfach gesagt: Kersting lässt kein gutes Haar an Kohlberg und seinem Werk.
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