Er liebt die Frauen und die Philosophen, er schätzt gutes Essen und achtet die einfachen Leute. Er ist zynisch und barmherzig, eiskalt und leidenschaftlich in raschem Wechsel. Er ist ein Monster und wird zum Inbegriff des guten Geschmacks: Alexandre Grimod de La Reynière, in Paris geboren, ungeliebt von seinen Eltern, die das an beiden Armen verkrüppelte Kind nicht akzeptieren. Doch was hat dieser geniale Selbst-Inszenierer aus seinem Leben gemacht! Er wird Rechtsanwalt und nebenbei der meistgelesene Theaterkritiker der französischen Revolutionszeit, er ist der gefürchtetste Feinschmecker Frankreichs - der Erfinder der Gourmetkritik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2000
Recht ausführlich und merklich mitgerissen erzählt Alexander Honold den Plot dieses Romans nach, der durch ein farbiges und großenteils aus realen historischen Figuren wie Voltaire und Mercier bestehendes Personal besticht. Körperliche Behinderung wird hier laut Honold zum Vehikel einer Überbegabung. Und die liegt in der Zunge, die dem an den Händen verkrüppelten Helden Alexandre Grimod de La Reynière zum "dritten Arm" wird, im kulinarischen wie im erotischen Sinne, wie man andeutungsweise zu verstehen meint. Am Ende stört den Rezensenten an dem Buch allenfalls seine allzu große Kunstfertigkeit. Was zählt das angesichts "virtuoser Erzählfreude" und "sinnlicher Opulenz"?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2000
Was für ein Roman hätte das werden können! Aber leider: Thema verschenkt. Ursula Pia Jauch muß beim Schreiben ihrer Rezension heiße Tränen vergossen haben. Dem Leser zum Trost erzählt sie mit hinreißendem Schwung und einer Fülle von Informationen die Lebensgeschichte von Alexandre Balthasar Laurent Grimod de la Reynière, der 1758 in sehr adeligen Verhältnissen geboren wurde - mit deformierten Armen. Ein Schweizer Arzt verpasste dem Kind eiserne Hände, mit denen es fechten, kochen und kämpfen lernte. Und weil der Knabe nicht fühlen konnte, lernte er, "welche Potenz in der Zunge liegt". Ist diese - wahre! - Geschichte nicht aufregend genug? Offenbar nicht, denn die Autorin, klagt Jauch, habe aus den Geschichtsbüchern die alten Skandalgeschichten "gleichsam mit der Pralinenzange" herausgeklaubt und dann noch mit "Aufmerksamkeit heischenden Adjektiven" angereichert. Ständig müssen Diderot, Malesherbe, Rétif oder Mirabeau "flennen, grinsen, grölen, stieren oder quieken", bemerkt die Rezensentin verbittert. Jauch empfiehlt statt dessen Franz Bleis "Porträtsammlung": Auf acht Seiten, gleich hinter Sade, erfahre man mehr über Grimaud als in Singers Roman.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.01.2000
"Besterdings grandios" nennt K. H. Kramberg diesen Roman über die Französische Revolution und den an den Händen verkrüppelten Alexandre Grimod de La Reynière (1758-1838). Es geht um Genuss, um die Wahnehmung eines Menschen aus seiner Behinderung, um Feinschmeckerei und den Genuss. Ja, die Prosa sei fast göttlich. Kramberg verspricht in seiner kurzen Kritik zwar auch "eine Pein ohne Ende", aber das mag ein ironischer Schlenker in einem launig gemeinten kleinen Text sein.
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