Wolfram Siebeck

Ohne Reue und Rezept

Mein Leben für den guten Geschmack
Cover: Ohne Reue und Rezept
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783895612299
Gebunden, 240 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Wolfram Siebecks Herz schlug für die guten Dinge des Lebens. Sein unbeirrbarer Sinn für wahren Genuss hatte etwas Verschwenderisches und angenehm Unvernünftiges. Lässig und weltmännisch half er den Deutschen dabei, ihren Geschmack zu verfeinern. Dabei wurde er selbst zum Idealtyp des Genussmenschen und fand zu seinem unverwechselbaren Stil, der ihm als Kolumnist Millionen Leser bescherte - meist treue und begeisterte, doch auch verärgerte, wenn ein Urteil mal wieder streng und um einer guten Pointe willen gepfeffert ausfiel. Erstmals sind nun Siebecks späte Lebenserinnerungen zu lesen. Das Manuskript fand seine Frau Barbara in einer Truhe in ihrer gemeinsamen Wohnung auf Schloss Mahlberg wieder. So unverblümt hatte Siebeck nie zuvor über seine Eltern, über die NSDAP-Karriere seines Vaters oder über seine Jugend im Nationalsozialismus geschrieben. Er schildert seinen Werdegang - vom Schildermaler und Zeichner in der Nachkriegszeit mit Umwegen über Jazz und Avantgarde-Kino, über seine ungeplante Selbstfindung als Schreiber bis zu den Freuden und Tücken des Alterns.  Nicht zuletzt sind seine Memoiren eine sinnliche Verneigung vor seinem langjährigen Wohnsitz in der Provence und dem kulinarischen Sehnsuchtsziel Frankreich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2025

Der hier rezensierende Gastronomiekritiker und Journalist Jürgen Dollase geht eher leer aus mit seinen Erwartungen an Wolfram Siebecks Autobiografie, denn um Kulinarik oder gar ums Essen selbst geht es so gut wie gar nicht. Dabei habe sich der 2014 mit 87 Jahren verstorbene Restaurantkritikers doch mit seinen erfolgreichen Texten in diversen Zeitungen und im Internet als "Alt-Influencer" etabliert, der durchaus Interessantes zu sagen hatte, meint der Kritiker - etwa in seinen zwei Bänden zu Pariser Bistrots von 1990 und 1993, wie sich Dollase wehmütig erinnert. Im neuen Buch hingegen geht es ausgiebig um die "eher diffuse" Kindheit Siebecks, um den späteren finanziellen Erfolg, um seine Vorliebe für teure Hotels, Autos und die französische Haute Cuisine, und um seine Begegnungen mit hochkarätigen Kulturschaffenden, in deren Kreisen er zunehmend verkehrte - und die wohl einen größeren Eindruck bei Siebeck hinterlassen haben als die kulinarischen Begegnungen, wie Dollase irritiert vermerkt. So wirklich interessant scheint der Kritiker diese recht versnobbte Selbstdarstellung in teils "bemüht" wirkendem ironischen Ton nicht zu finden - lieber blickt er da auf eine geplante andere Biografie, von der er sich mehr "kulinarisch interessante Aussagen" erhofft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.12.2024

Dies ist das Buch eines Mannes, der etwas vom Leben und auch vom Schreiben verstand, freut sich Rezensent Christoph Amend. Wolfram Siebeck berichtet in seinen Memoiren von seinem Leben, von der Jugend als Kind eines Nazivaters, über die Entdeckung seiner Liebe zu Jazz und gutem Essen in der Nachkriegszeit bis zum Weg in den Journalismus. Auch Siebecks Frau Barbara spielt eine wichtige Rolle, erzählt der Rezensent, ebenso Frankreich als Sehnsuchtsort sowie einige weniger freundliche Gedanken über Fernsehköche. Siebeck war stets ein Mann des Wortes, schließt Amend, das zeigt sich nun auch in diesen schönen Memoiren.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 16.12.2024

Kritiker Carsten Otte widmet den Lebenserinnerungen des "Gastrokritikers und Genussschriftstellers" Wolfgang Siebeck eine umfangreiche Besprechung: Siebeck hat rund vierzig Jahre lang die Weihnachtsmenüs für "Die Zeit" zusammengestellt und der Bundesrepublik die Freuden des Genusses ein wenig nähergebracht. Für Otte ist er darüber hinaus vor allem ein "journalistischer Schriftsteller", der das Niveau seiner Texte konstant halten konnte und Zeit seines Lebens gegen die Genussfeindlichkeit der Deutschen angekämpft hat - auch und gerade aus seiner Erfahrung als Flakhelfer im Zweiten Weltkrieg heraus. Zunächst hatte er sich mit Zeichnungen und Illustrationen das Brot verdient, konnte dann aber bald zum Journalismus überschwenken, weiß Otte, bei aller Genussfreude schreibt Siebeck immer auch selbstironisch-spöttisch und klug. Der Rezensent freut sich, nun diesen nachgelassenen Text entdecken zu können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2024

Genüsslich liest sich Rezensent Josef Wirnshofer durch Wolfgang Siebecks süffige Memoiren, die die Frau des Autors postum gefunden hatte. Wirnshofer erfährt viel über Siebecks Kindheit im Ruhrgebiet, seinen hitlerbegeisterten Vater, Siebecks Lust auf amerikanische Kultur nach dem Krieg und die erwachende Lust des Autors an gutem Essen. Über einen Job als Pressezeichner wurde Siebeck schließlich Autor. Dieser Erinnerungsband zeigt Wirnshofer, was den Kulinariker als Schreibenden auszeichnet, nämlich eine wunderbare Mischung aus Ernst und Leichtigkeit, die es Siebeck erlaubte, Kulinarik mit einem Blick auf große Politik zu verbinden. Auch Siebecks Liebe zur Provence kommt zu Sprache, lernen wir. Dass sich manches unfertig anfühlt und von Siebeck vielleicht noch einmal überarbeitet worden wäre, stört den Rezensenten kein bisschen - das ist einfach ein Buch, das vor Lebenslust schier überquillt, lobt er.

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