Aus dem Schwedischen von Karl Ludwig Wetzig. Lotta, Jocke, Anna und Asa besuchen eine Schule in Stensby, einer Trabantenstadt vor den Toren Stockholms. Auf dem Unterrichtsplan steht gemeinsames Werken mit der Klasse von Ylmaz und Zeynep. Lotta nennt sie die Türkenklasse. An der Decke hängt eine Fahne mit einem Halbmond. Es gibt oft Zoff mit den Türken. So wie heute. Das Geschrei im Klassenraum ist groß, Taschen fliegen durch die Gegend. Lottas Lehrerin lacht nervös. Sie sagt, daß die anderen Kinder mit ihnen nur Kontakt aufnehmen wollen. Sie sagt nie Türke. Und sie lobt die Girlande, die Lotta für Zeynep gebastelt hat. Bis Ylmaz aufsteht und brüllt: "Ich habe Kontakt, mit wem ich will, aber nicht mit den Arabern und den Scheißschweden."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2002
Von Astrid Lindgren hat die schwedische Schriftstellerin Lena Andersson "einiges gelernt", meint Christoph Bartmann, doch nimmt ihr Roman einen anderen Verlauf und Ausgang als Lindgrens "Kinder von Bullerbü". Handlungsort ist hier Stensby, eine "Stockholmer Trabantenstadt", berichtet der Rezensent, in der es viel weniger idyllisch zugeht als in Lindgrens Dorfgeschichten. Über drei Jahrzehnte hat die Autorin, so Bartmann, eine Reihe von Kindern in ihrer Entwicklung beobachtet. Das Ergebnis findet der Rezensent ernüchternd: Was in Schweden lange Programm war, eine gelungene Integrationspolitik, scheint gründlich gescheitert zu sein. Andersson erzähle über viele Projekte einer "egalitären Gesellschaft", doch das, was der Staat geplant hatte, wolle die Bevölkerung wohl nicht mittragen. Jedenfalls nicht im "zerrütteten" Stensby, stellt Bartmann fest.
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