In Berlin war der junge Student Vural Öger 1961 türkischer Zuwanderer Nummer 31, ein bestaunter Exot. In Hamburg hatte er acht Jahre später die Idee seines Lebens, als er bemerkte, dass von dort kein Direktflug in die Türkei möglich war. Da hatte der Zustrom der "Gastarbeiter" bereits das Gesicht der Republik verändert - und auch ihr Bild von "den" Türken. Heute steht der Name des erfolgreichen Touristikunternehmers mit deutschem Pass für die Verständigung zwischen Türken und Deutschen; sein Rat wird gesucht, seine Stimme hat Gewicht...
Die "deutsch-türkische Erfolgsgeschichte" des Autors, der es zum Gründer eines der großen Tourismuskonzerne in Deutschland gebracht hat, erweist sich in den Erinnerungen des Protagonisten, so Sigrid Scherer, als durchaus klassengebunden. Denn der aus der "laizistisch denkenden Mittelschicht der Türkei" stammende Öger, der hier sein Leben "im Spiegel großer politischer Ereignisse" schildert, gibt zu, dass ihn mit den "einfachen Leuten" hier und dort wenig verbindet. Einigermaßen kurios ist es dann, wie die Rezensentin ihm und uns für diesen Aspekt des Miteinander das Modell des "multikulturellen, multireligiösen Spaniens im Goldenen Zeitalter" empfiehlt. Ögers zeitgemäßere Wunschlösung, nämlich die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union, erwähnt sie zwar, kommentiert sie jedoch nicht weiter.
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